TeenSTAR in der Kritik: „Sind keine Missionare“. Die Schulungsmaterialien vom Verein TeenSTAR (Sitz: Bezirk Melk) stehen in der Kritik. Bildungsministerium kündigt Qualitätsprüfung für Aufklärungsvereine an.

Von Denise Schweiger und Carina Rambauske. Erstellt am 09. April 2019 (02:42)
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„Homosexualität ist eine Störung, Sex vor der Ehe tabu, Masturbation eine Sünde“: Jahrelang sollen Meinungen wie diese vom Aufklärungsverein TeenSTAR, der seinen Sitz in Marbach (Bezirk Melk) hat, in Schulen propagiert worden sein. „Nicht altersadäquat und altmodisch“, findet ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann und empfiehlt den Schulen, künftig nicht mehr mit dem Verein zusammenzuarbeiten. Ein Erlass, der selbst wiederum auch für Kritik gesorgt hat.

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Helga Sebernik verteidigt die Arbeit von Teen-STAR.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, kann TeenSTAR-Vorsitzende Helga Sebernik nur den Kopf schütteln. Dass die Kurse „fundamentalchristlich“ ausgerichtet seien, verneint sie vehement: „Wir sind keine Missionare. Wenn, dann nur biologische. Wir legen Wert darauf, dass Sexualpädagogik ein Teil der Persönlichkeitsbildung ist und dazu zählt für uns, dass Kinder und Jugendliche wissen, wie ihr Körper funktioniert.“ Sebernik betont ebenso, dass weder vom Gebrauch von Binden und Tampons noch von Kondom und Pille abgeraten werde, sondern ihre Wirkweisen erarbeitet werden. „Das ist in manchen Medienberichten völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden. Ich nehme an, um uns in ein falsches Licht zu stellen.“

Mädchen über ihren Zyklus aufzuklären sieht die Vorsitzende viel mehr fort- als rückschrittlich. „Aufklärungsarbeit heißt für mich nicht, bloß zu sagen: ‚Habt Sex, aber schaut’s, dass keine schwanger wird!‘“ Ein weiterer Kritikpunkt an TeenSTAR ist, dass homophobe Inhalte verbreitet werden. Auch davon will Sebernik nichts wissen: „Wir sagen den Kindern und Jugendlichen lediglich, dass sie sich mit der Definition ihrer sexuellen Orientierung Zeit lassen können.“

TeenSTAR will weiter an Schulen unterrichten

Etwas Positives kann die Vereinsvorsitzende dem Medienrummel dennoch abgewinnen: Aus dem Tabuthema „Sexualpädagogik“ ist eine öffentliche Debatte geworden. Eine, die auch die Frage aufwarf, in welcher Form Sexualkunde an Schulen grundsätzlich stattfinden soll. Dass es sinnvoll ist, zusätzlich zum Unterricht der Lehrer Experten von außen zu holen, betont Verena Krall, Leiterin für Sexualpädagogik der Fachstelle NÖ: „In einem geschützten Rahmen können intime und persönliche Fragen besser gestellt werden.“ Schüler reden mit externen Personen meist offener über Gefühle, Beziehungen und Sexualität, wenn diese die Schule danach wieder verlassen.

In Folge der Medienberichte wurden auch Beschwerden um andere sexualpädagogische Vereine laut. Das Bildungsministerium entschied deshalb, ab dem Schuljahr 2020/21 ein Akkreditierungsverfahren einzuführen, das entscheidet, welche Vereine an den Schulen Aufklärungsarbeit leisten. Diesem wird sich auch TeenSTAR stellen. Wie es für den Verein bis dahin weitergeht, hängt von Schulen und Eltern ab. „Die, die uns nicht kennen, werden einen Bogen um uns machen“, mutmaßt Sebernik. Es gebe aber auch positiven Zuspruch: „Wenn unsere Arbeit nicht so gut ankommen würde, hätte uns wohl keine Schule ein zweites Mal gebucht.“ Übrigens: Bei einer Blitzumfrage an Schulen, wo TeenSTAR tätig war, wurden keine Beschwerden von Eltern gemeldet.