„Sie schlängeln sich durchs Leben“. „Klassischer Betrüger“ / 43-Jähriger zapfte Strom beim Nachbarn ab, prellte eine Maklerin und bestellte Pferdefutter auf fremde Namen.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 18. Mai 2015 (11:41)
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Lebe lieber unehrlich? Die Staatsanwältin bezeichnet den Angeklagten Wiener als »klassischen Betrüger«.
„Sie schlängeln sich durchs Leben!“, wettert Richterin Doris Wais-Pfeffer. Auf der Anklagebank sitzt ein gebürtiger Wiener. Für Gerichte ist er kein Unbekannter und die Liste der Vorwürfe im Prozess am Landesgericht St. Pölten ist lang.

Im Reitsport suchte der 43-Jährige sein Glück, und weil es an Barem mangelte, bestellte er Futter fürs Pferd auf Rechnung eines Reitstallbesitzers im Wienerwald. „Ich hab’ nicht verlangt, dass er bezahlt“, rechtfertigt der Angeklagte diese Aktion.

Im Reitstall soll er andere Pferdebesitzer mit den Worten: „Wenn ihr mein Pferd vergiftet, stech ich euch ab!“, bedroht haben. Und ein Wiener Tierarzt erzählt: „Er würd’ mir eine in die Gosch’n hauen, hat er gesagt, und auf Facebook geschrieben, dass ich ein Kurpfuscher sei.“ Was der Angeklagte zu diesen Vorwürfen meint? „Das ist nicht meine Wortwahl!“

Beim Nachbarn Strom abgezapft

Im Wienerwald zapfte der 43-Jährige bei seinem Nachbarn Strom ab. Ob er dabei einen Zählerkasten demoliert hat? „Nur die Tür aufgemacht und Sicherungen eingesetzt, weil bei mir der Strom abgedreht war“, erklärt er der Richterin.

Und weshalb er nach Auszug aus der Wohnung den Holzofen seines Vermieters gestohlen hat? „Den wollte ich bei Willhaben günstig hergeben.“

Alles ist das nicht. Eine Maklerin aus dem Bezirk Baden prellte er um 1.000 Euro. Bei der Mieterselbstauskunft gab der Beschäftigungslose an, als Key-Account-Manager tätig zu sein und legte falsche Urkunden vor.

Im Marienheim in Baden übte der Mann sich als Langfinger. Dort leistete er nach diversioneller Erledigung eines Strafverfahrens gemeinnützige Leistung und ließ Bares aus der Kasse mitgehen. „Weil der Exekutor bei mir war“, erklärt er dazu.

Anklägerin Barbara Kirchler fordert Strenge: „Ein klassischer Betrüger! Er hat für alles eine Erklärung und Strafen beeindruckten bislang überhaupt nicht“, resümiert sie.

Eine Haftstrafe verbüßt der 43-Jährige gerade. „Weil Sie iPhones bestellt haben unterm Namen eines Doppelgängers“, sagt die Richterin. Es setzt 16 Monate unbedingte Zusatzstrafe. Nicht rechtskräftig.