Auf der Suche nach Blut. Vor der Urlaubszeit sinkt die Zahl der begehrten Blutspender. Aber wer darf eigentlich spenden?

Von Eva Hinterer. Erstellt am 20. Juni 2017 (03:00)
ÖRK/ Helmut Mitter
Die Transfusionsmedizinerin Ursula Kreil ist Leiterin der Blutabnahme beim Roten Kreuz.

Alle 90 Sekunden wird in Österreichs Spitälern eine Blutkonserve benötigt. „Aber nur 3,7 Prozent der Bevölkerung spenden Blut“, bedauert Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes. Weil es im Sommer immer wieder zu Engpässen in der Versorgung kommt, ruft das Rote Kreuz zum Blutspenden auf.

Aber wie ist das genau mit dem Blutspenden? Wer darf, wer darf nicht? Und warum nicht? Die NÖN bat Ursula Kreil, die Leiterin der Blutabnahme, um Antworten.

ÖRK/Stöcher
Begehrt: 175.000 Liter Blut werden pro Jahr gebraucht.

„Grundsätzlich dürfen Personen ab 18 Jahren Blut spenden, für Erstspender gilt eine Obergrenze von 60 Jahren. Die Obergrenze von 65 Jahren für Blutspender ist mittlerweile gefallen“, erläutert Kreil.

Aber viele Personen dürfen gar kein Blut spenden, und zwar, um sowohl Spender als auch Patienten zu schützen. Festgelegt ist das in der Blutspenderverordnung. Der Spenderschutz greift beispielsweise bei Menschen, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, an Durchblutungsstörungen leiden oder bei Frauen mit niedrigem Eisenspiegel, die wenig rote Blutkörperchen bilden können.

Wer viel reist, der wird „zurückgestellt“

„Aber wir müssen auch die Patienten schützen“, sagt Ursula Kreil. So sind Personen, die in Malaria- oder Tropengebieten waren, für sechs Monate gesperrt. Die vermehrte Reisetätigkeit führt generell zu einer Abnahme der Spender. Wer in Malariagebieten geboren ist oder gelebt hat, ist lebenslang „zurückgestellt“ – darf also gar nicht spenden. Südost-Anatolien in der Türkei ist so ein Malariagebiet, weshalb sich hartnäckig das Gerücht hält, Türken dürften kein Blut spenden. Das stimmt nicht. „Wir haben viele Türken, die natürlich spenden dürfen. Die Tourismusgebiete in der Türkei sind auch nicht betroffen“, sagt Kreil. Vom Spenden ausgeschlossen sind auch Personen mit Risikoverhalten.

Das sind Drogenkonsumenten, Prostituierte und auch die „MSM“-Gruppe: Männer, die Sex mit Männern haben. „Da geht es nur um das Risikoverhalten und nicht um Homophobie“, sagt Kreil. Und rechnet vor: „In Österreich sind etwa fünf Prozent der Männer homosexuell, also rund 400.000 Personen. Und es gibt rund 400 HIV-Neuinfektionen pro Jahr, die Hälfte davon fällt in die Gruppe der MSM. Wir haben also bei den restlichen 7,6 Millionen Einwohnern 200 HIV-Neuinfektionen pro Jahr und bei 400.000 in der MSM-Gruppe ebenfalls 200 Neuinfektionen.

Das ist ein zig-fach höheres Risiko, daher ist diese Gruppe zurückgestellt.“ Für Frauen, auch homosexuelle, gilt das nicht, hier ist das Risiko „bei Null“, sagt Kreil. Daher wird das Sexualverhalten von Frauen im 29 Punkte umfassenden Spender-Fragebogen auch gar nicht abgefragt.

Für vier Wochen gesperrt sind jene, die Antibiotika eingenommen haben, denn es könnten sich noch Bakterien im Blut befinden. Auch potenzielle Spender mit Fieberblase werden nach Hause geschickt: Herpesviren sind ein Ausschlussgrund, Fieberblasen müssen vollständig abgeheilt sein. Infos/Termine: 0800 190 190 sowie auf www.blut.at