Asbest-Arbeiten ohne Schutzkleidung: Mann verurteilt. Ohne den vorgeschriebenen Schutz mussten Arbeiter ein Dach abdecken, was sie selbst und die Umwelt gefährdete.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 23. Mai 2018 (02:24)
Die Arbeit mit hochgiftigem Asbest erfordert Schutzkleidung.Hiko Photography/Shutterstock.com
Hiko Photography/Shutterstock.com

Auf die Sicherheits- und Gesundheitsschutzpläne des bestellten Baukoordinators (64) pfiff der zuständige Vertreter der Dachdeckerfirma aus der Region Klosterneuburg: Ohne den Baukoordinator zu informieren, gab der Spengler (43) den Startschuss für die Renovierungsarbeiten am Dach der Pfarrkirche Weidling.

Zwischen 19. und 21. Juni 2017 entfernten die Arbeiter die alten, asbesthaltigen Dachplatten. Ohne Schutzanzug und Schutzmasken, wie Zeugen berichten, schlugen die Arbeiter mit einem Hammer die Platten ab und ließen sie über das Dach in die Tiefe abrutschen: Sowohl beim Zerschlagen als auch beim Aufprall der Platten wurden Asbestfasern freigesetzt, wie ein Sachverständiger bestätigt. Der Experte beziffert den Schaden für das Stift Klosterneuburg auf zumindest 50.000 .

Die unsachgemäße Demontage und Entsorgung der asbestkontaminierten Platten bringen den Baustellenkoordinator und den Spengler wegen Beeinträchtigung der Umwelt auf die Anklagebank. Im Beweisverfahren wird die beteuerte Unschuld des Baustellenkoordinators klar – er geht frei, der Spengler hatte ihn nachweislich nicht informiert.

"Die wissen schon, was zu tun ist"

Zum Staunen des Richters beteuert auch der Spengler seine Unschuld. Punkto Sicherheitsmaßnahmen habe er auf seine erfahrenen Arbeiter, so nach dem Motto „Die wissen schon, was zu tun ist“, gesetzt.

Die befragten Arbeiter geben sich im Zeugenstand auffällig zurückhaltend: Existenzängste, wie die Anklägerin mutmaßt.

Der Spengler macht im Verfahren nicht den Eindruck, dass ihm das Asbest-Desaster, das Menschen und die Umwelt gefährdete, wirklich nahegeht. Ganz Geschäftsmann sorgt er sich wegen der erwarteten Schadenszahlungen um das Überleben der Firma.

Der bislang unbescholtene Handwerker wird für die „extreme Schlamperei“, wie es Richter Martin Bodner bezeichnet, zu sechs Monaten bedingt verurteilt. Nicht rechtskräftig.