Ausbildungsoffensive: Start für neue Polizeischule. Neues Bildungszentrum in St. Pölten setzt auf Fortbildung von Kurzausbildungsbediensteten.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 29. August 2017 (02:41)
BMI/G. Pachauer
Ab September werden im Bildungszentrum St. Pölten Vertragsbedienstete zu Polizisten ausgebildet. Mit Stand 1. 8. 2017 standen in Niederösterreich 200 Schüler (davon 54 Frauen) in Grundausbildung.

Acht Klassen mit je 20 bis 30 Schülern werden ab 4. September das neue, österreichweit elfte Bildungszentrum im ehemaligen Möbelhaus am St. Pöltner Europaplatz besuchen. Es ist das Drittgrößte bundesweit.

Wer glaubt, er kann hier sofort als Polizeischüler seine Berufskarriere starten, der irrt. Jetzt werden vorerst jene Vertragsbedienstete, die im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 eine sechsmonatige Kurzausbildung versehen haben, hier die Schulbank drücken.

privat
Sonja Stamminger hat die neue Polizeischule am St. Pöltner Europaplatz mit aufgebaut.

„Durch die Ergänzungsausbildung von neun Monaten werden diese nun zu vollwertigen Polizisten ausgebildet, die ganz normal ihre Dienstlaufbahn fortsetzen können“, erklärt Sonja Stamminger, Projektverantwortliche für den Aufbau des St. Pöltner Bildungszentrums. Diese Ergänzungsausbildungskurse werden den Schwerpunkt der St. Pöltner Schule für die nächsten vier bis fünf Jahre bilden. Erst dann folgen Grundkurse. Die Grundausbildung wird derzeit unverändert in den Bildungszentren Traiskirchen und Ybbs durchgeführt.

„Der Standort in St. Pölten ist einfach ideal“

Derzeit stehen 4.360 Polizisten in NÖ im Dienst. 700 zusätzliche Planstellen sollen bis 2020 geschaffen werden, bis 2019 stehen rund 465 Pensionierungen an. „Wir brauchen auf jeden Fall mehr Personal“, befürwortet Stamminger die intensive Bewerbungsoffensive des Innenministeriums für den Exekutivdienst. Sie ist von der Notwendigkeit der neuen Schule überzeugt, auch „dass der Standort in St. Pölten aufgrund der zentralen Lage und den guten Verkehrsanbindungen für Auszubildende ideal ist“. Stamminger führt Aufnahmegespräche für angehende Polizisten durch. „Motivation, Hausverstand, ein Gespür im Umgang mit Menschen“, bringt sie es auf den Punkt, was jeder Bewerber mitbringen sollte. Schülern mit Migrationshintergrund steht sie offen gegenüber.

„Fremdsprachenkenntnisse und Wissen um andere kulturelle Gepflogenheiten können nur von Vorteil sein“, meint sie. Aber bietet ein Möbelhaus den geeigneten Platz für eine moderne Polizeiausbildung? „Ich denke, wir sind hier sehr gut aufgestellt. 25 Lehrerstellen sind besetzt.“ Werden die Aufnahmekriterien für Schüler heruntergesetzt? „Nein! Das Aufnahmeverfahren ist – altersangepasst – für alle gleich. Nur die Besten werden genommen“, stellt sie klar.