Verteidigungsministerin durchlief Stellungsstraße. Lokalaugenschein: Bundesministerin Klaudia Tanner war live beim Grundwehrdienereignungstest dabei. Ihr Voraviso: Teiltauglichkeit soll 2021 eingeführt werden.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 18. Februar 2020 (19:38)

Dass die neue Verteidigungsministerin Klaudia Tanner beim Heer ganz ihren „Mann“ steht, bewies sie am Dienstag vor großem Medienandrang in der Hesser Kaserne in St. Pölten. Die einstige niederösterreichische Bauernbunddirektorin „stellte“ sich der Herausforderung, auch „bundesheertauglich“ zu sein und durchlief – zumindest Teile – der Stellungstraße vor Publikum. Vertreter aus der Landes- und Bundespolitik, so auch die Nationalratsabgeordneten Friedrich Ofenauer (VP), Robert Laimer (SP) und David Stögmüller (Grüne) sowie Landtagsabgeordneter Bernhard Heinreichsberger (VP), begleiteten sie auf ihrer Tour.

Durch Investitionen in den letzten Jahren zählt die niederösterreichische Stellungsstraße zu einer der modernsten in ganz Österreich. Hier werden jährlich rund 8.000 junge Männer auf ihre „Tauglichkeit“ getestet. Nicht nur, dass immer wieder Krankheiten bei den Stellungspflichtigen festgestellt werden: „In Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Suchtprävention wird  den jungen Burschen auch vor Augen geführt, dass Suchtmittelkonsum nicht gerade für den weiteren Lebensweg vorteilhaft ist und beim Heer schon gar nichts verloren hat“, verdeutlichte der Leiter der Stellungskommission, Oberst Bernhard Pitsch.

Gila Wohlmann

Bei einem Marsch, begleitet von NÖ Militärkommandant Brigadier Martin Jawurek,  machte sich die  Bundesministerin daher persönlich ein Bild von den verschiedensten Stationen und Untersuchungen, die die Stellungspflichtigen durchlaufen müssen. „Die Stellungsstraße ist die erste militärische Einrichtung, die der angehende Soldat kennenlernt. Daher ist ein moderner, zuvorkommender Umgang mit unseren Stellungspflichtigen anzustreben“, ließ Tanner wissen.

Tanner wurde genau in den Ablauf der beiden Stellungstage für die künftigen Grundwehrdiener eingewiesen, beginnend bei der Identitätsfeststellung über die Ausgabe der passenden Bekleidung bis hin zum Beziehen der Unterkunft. Dann warf sie kurz einen Blick auf jene jungen Männer, an diesem Tage waren es Burschen aus dem südlichen Niederösterreich, die gerade ihren psychologischen Eignungstest absolvierten.

Parallel dazu wurden weitere Stellungspflichtige auf ihre körperliche Eignung getestet. Blutdrucküberprüfung, Ruhe-EKG und  diverse Konditionstests am Ergometer  gaben der Neo-Ministerin einen verkürzten Echtzeit-Einblick in die Anforderungen, die an die künftigen Grundwehrdiener gestellt werden. Begleitet wurde sie dabei vom Militärarzt, der sie genau in den Ablauf der medizinischen Untersuchung einweihte.

Tanner zum 3D-Virtuality-Wehrgefecht: „Das ist cool“

Doch die Verteidigungsministerin musste bei „ihrem“ Durchlauf der Stellungsstraße natürlich   - sozusagen als Höhepunkt  - „in die Schlacht“ ziehen. Mittels Virtuality-3D-Brille befand sich Tanner binnen Sekunden mitten in einem Wehrgefecht. Das High-Tech-Reality-Szenario erwiderte sie begeistert mit den Worten: „Ist das cool!“
Am Ende „ihres erfolgreichen Durchlaufs“ der Stellungsstraße betonte sie, „dass es ganz wichtig sei, dass die Zeit des Grundwertdienstes als sinnvoll und wertvoll von den Rekruten empfunden wird.“ Ein modernes, attraktives Heer sei die Voraussetzung.

Dass 30 Prozent der Stellungspflichtigen, wie sie im Anschluss noch ausführte, „untauglich sind“, ist für sie ein weiterer triftiger Grund, „die Einführung der Teiltauglichkeit zu forcieren.“  Dieser Prozess soll noch im ersten Halbjahr im Rahmen ihres Programms abgeschlossen werden. „Mit 1. 1. 2021 sollte das neue System im Laufen sein“, kündigte sie an.

Die abschließend erwarteten Fragen der Medienvertreter rund um die „Eurofighter“-Affäre quittierte sie mit dem Hinweis auf die Prüfung einer zivilrechtlichen Klage gegen Airbus kurz und bündig: „Sie werden mich schon noch kennenlernen!“