StA Wiener Neustadt ermittelt gegen Polizisten. Die Ermittlungen gegen jenen Polizisten, der in der Causa Kampusch illegal in einer niederösterreichischen Volksschule "ermittelt" und um die Beschaffung von "DNA-Proben" eines Mädchens gebeten haben soll, laufen bei der Staatsanwaltschaft (StA) Wiener Neustadt.

Erstellt am 01. März 2012 (12:01)
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"Eine Anzeige wegen Amtsmissbrauchs ist am Donnerstagnachmittag bei uns eingelangt", gab Behördensprecher Ernst Habitzl bekannt.

Der pensionierte Präsident des Obersten Gerichtshofs (OGH), Johann Rzeszut, der als möglicher Anstifter im Raum steht, befindet sich vorerst nicht im Visier des Bundesamts zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK), das mit den Erhebungen betraut wurde. "Gegen Rzeszut besteht derzeit kein Anfangsverdacht in Richtung einer Anstiftung", betonte Habitzl.

Der Polizeibeamte - ein sechsfacher Familienvater, der in Wien arbeitet und in seinem Wohnort in Niederösterreich für die FPÖ im Gemeinderat sitzt - wurde unterdessen vorläufig vom Dienst suspendiert. Das sagte Johann Golob, Sprecher der Bundespolizeidirektion Wien, am Donnerstag. Einem Bericht der Wochenzeitung "Falter" zufolge behauptet der Beamte, Rzeszut habe ihn mit den "Ermittlungen" beauftragt.

Dieser wies das im APA-Gespräch zurück. "Das ist ein Unsinn von ihm", sagte Rzeszut. "Ich fange mit diesem Namen nichts an." Überdies sei es "ein Wahnsinn, das zu machen", und es sei klar, dass der Beamte sich nicht legal verhalten habe.

Dass er den Mann im Zuge seiner zweijährigen Befassung mit dem Fall Kampusch einmal getroffen haben könnte, schließt Rzeszut nicht aus. "Ich bin wiederholt von einer ganzen Reihe von Leuten kontaktiert worden ab dem Zeitpunkt, wo mein Schreiben im Parlament war", sagte der Ex-OGH-Präsident, der einer vom Innenministerium eingesetzten Evaluierungskommission zu den Kampusch-Ermittlungen angehörte. "Wenn jemand mich treffen wollte und über den Fall reden, habe ich, wenn es seriös wirkte, fast immer zugesagt." Er gehe nun davon aus, dass er im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den Polizisten "vernommen und geladen" werde.

Der Polizist soll sich in der Schule als Kontaktbeamter ausgegeben und einen Vortrag zur Verkehrserziehung angeboten haben. Dann fragte er aber nach einer bestimmten Schülerin und bat um die Beschaffung von "DNA-Proben", die von der Achtjährigen stammen. Die Aktion dürfte erfolgt sein, um einem immer wieder hochkochenden und nicht bestätigten Gerücht im Fall Kampusch nachzugehen. Die Mutter des Kindes erstattete Anzeige.