Update am 10. Januar 2017, 15:39

von Gila Wohlmann

Staudacher-Fälscher flog auf. Werke des Kärntner Malers ließen Museumsleiterin und Kriminalisten aufhorchen. Mehrere Geschädigte aus Niederösterreich.

OR Mag Anita Gach (.BK), BezInsp Thomas Otterböck (LKA NÖ), Landespolizeidirektor NÖ HR Dr. Franz Prucher, AbtInsp Johann Thanmayer (LKA NÖ) und Staatsanwalt Mag. Philip Christl, sowie Bild des Künstler Hans Staudacher  |  LPD NÖ

„Hans Staudacher ist einer jener Künstler, die immer wieder gefälscht werden“, weiß Carl Aigner, Direktor des NÖ Landesmuseums.

Einen Erfolg können die Ermittler des Landeskriminalamtes NÖ verbuchen. Sie haben einem Profi-Betrüger das Handwerk gelegt. Der Verdächtige - ein 67-Jähriger aus dem Bezirk Kirchdorf an der Krems (Oberösterreich) - sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Der Mann soll Werke des 93-jährigen Kärntner Malers gefälscht haben.

Die Werke des Kärntner Malers Hans Staudacher wurden vielfach gefälscht.  |  APA/Pfarrhofer

Auch Käufer aus dem Bezirk Amstetten haben die nachgemachten Bilder erworben. Maßgeblich zur Aufklärung beigetragen hat die Leiterin des Linzer Kunstmuseums Lentos, Elisabeth Nowak-Thaller. Sie ist stutzig geworden, als ihr ein Käufer angebliche Staudacher-Werke zeigte, deren Farbe aber noch frisch war.

Beschuldigter zeigt sich nicht geständig

Bei den zwei Jahre lang dauernden Ermittlungen mit Hausdurchsuchungen  in Österreich und Deutschland konnten insgesamt 22 gefälschte Gemälde und Aquarelle beschlagnahmt sowie zahlreiche Opfer ausgeforscht werden.

Der Beschuldigte zeigt sich nicht geständig und gibt an, die Fälschungen von einem Kunstsammler und einem Kunsthändler in Oberösterreich erworben zu haben. Erhebungen dazu ergaben, dass es sich dabei lediglich um Schutzbehauptungen des Täters handelt.

Die Gesamtschadenssumme mit den Versuchen beläuft sich auf ca. 135.000 Euro, wobei die Gemälde etwa nur zu einem Drittel ihres wahren Verkehrswertes verkauft wurden.

"Fälscher denken: ,Das kann ich auch‘!“

„Staudacher-Werke erzielen je nach Bild einen Preis zwischen 10.000 und 40.000 Euro“, weiß Kunstexperte Aigner, auch, dass Fälschungen verdächtig werden, wenn diese „zu günstig angeboten werden.“ Daher werden diese oft vorerst zum Normalpreis ausgeschrieben.

„Gerade bei Gegenwartskunst meinen Fälscher: ,Das kann ich auch‘!“, sagt Aigner, betont aber, dass man Fälschungen bei entsprechendem Fachwissen auch bei der Abstrakt- oder gestischen Malerei durchaus erkennt. Staudacher- Werke seien „jenseits einer rationalen Bildkonzeption, impulsiv und intuitiv. Schriftlichkeit bricht in die Werke oft herein“.

Gefälschte Bilder des Künstlers Hans Staudacher
 
 |  LPD NÖ

Doch Fälscher werden immer besser, manchmal bringt die Kunstwissenschaft kein Ergebnis. Dann muss man sich naturwissenschaftlicher Methoden bedienen. Auf einen der bekanntesten Fälscher verweist Aigner: den Deutschen Wolfgang Beltracchi. Er wurde 2011 in einem der größten Kunstfälscher-Prozesse seit Ende des Zweiten Weltkriegs wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt. Er soll einen Betrugsgewinn bis zu 50 Millionen Euro erzielt haben.