Nacktvideos: Lücke im Gesetz. Der aktueller Fall um heimliche Nacktvideos in der Duschkabine zeigt Handlungsbedarf im Strafrecht auf, sagt die Rechtsanwaltskammer Niederösterreich.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 01. Juli 2019 (11:45)
Erich Marschik
Michael Schwarz, Präsident der Rechtsanwaltskammer NÖ.

Der Fall eines Fußballtrainers, der zwei Spielerinnen heimlich beim Duschen filmte, lässt derzeit die Wogen hochgehen. Nachdem bereits im März die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt hat, hat nun auch ein Richtersenat die beantragte Fortführung des strafrechtlichen Verfahrens abgelehnt – es liege kein gerichtlich strafbares Verhalten vor.

Grund dafür ist, dass das aktuell gültige Strafgesetz keine entsprechende Rechtsgrundlage biete, um die Strafverfolgung überhaupt aufzunehmen, erklärt Michael Schwarz, Präsident der Rechtsanwaltskammer Niederösterreich. Er sieht aufseiten der Politik dringenden Handlungsbedarf für Reformen, um zukünftig die strafrechtliche Verfolgung unfreiwilliger Nacktaufnahmen zu ermöglichen.

Strafrechtliches Verbot unfreiwilliger Nacktfotos gefordert

„Derzeit ist nur die heimliche Tonaufnahme strafbar, nicht die heimliche Bildaufnahme. Das ist ein typischer Auswuchs einer veralteten Bestimmung, als heimliche Videoaufnahmen nur mit hohem technischem Aufwand möglich waren. Heute hat aber praktisch jeder ein Smart-Phone mit integrierter Kamera“, so der Präsident der Rechtsanwaltskammer Niederösterreich.

Eine rasche Gesetzesänderung ist notwendig, um diese und vergleichbare Lücken zu schließen und somit heimliche Fotos oder Videoaufnahmen aus dem höchstpersönlichen Lebensbereich strafbar zu machen. Der Zusatz „höchstpersönlicher Lebensbereich“ ist eine wichtige Einschränkung, da ansonsten keinerlei Aufnahmen in der Öffentlichkeit mehr möglich wären – und somit auch keine Urlaubsfotos vom Strand oder der Bergwanderung.