Endstation Portland: Muttermörder gefasst. Stefan Eduard W. (kleines Bild) wartet in den USA auf seine Auslieferung. Er soll im September in Strasshof seine Mutter getötet haben. Geschnappt wurde er dank Zielfahndern. Es gibt kein Entrinnen.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 19. Oktober 2014 (23:31)
NOEN, privat

Auch wenn man über den halben Globus geflüchtet ist. Von Straßhof bis Portland/Oregon (USA). Hier fand am Donnerstag eine Tausende Kilometer lange Flucht ihr Ende (NÖN.at berichtete). Stefan Eduard W., 22, wurde festgenommen.

Er steht unter dringendem Tatverdacht, seine Mutter Sabine W. (43) mit zahlreichen Messerstichen in den Nacken getötet zu haben. Ermöglicht wurde seine Festnahme durch engste internationale Zusammenarbeit.

Weltweites Netzwerk hat sich bewährt

„Für uns war dies eine klassische Amtshandlung, bei der sich unser weltweites Netzwerk bestens bewährt hat“, sagt Helmut Reinmüller, Leiter der Zielfahndung im BK. Seine Ermittler, der Bereich „Leib & Leben“ im Landeskriminalamt NÖ, der US-Marshall-Service, das U.S. Department of Homeland Security, die Portland Police, das U.S. Immigration & Customs Enforcement (ICE) sowie die Botschaft in Wien (in Letzterer gab es fast tägliche Meetings zum „Up-Dating“) – sie alle stehen hinter diesem Erfolg. „Wir waren dem Gesuchten stets dicht auf den Fersen. Von der Einreise über die weitere Fluchtroute von Atlanta/Georgia bis Portland/Oregon“, betont Reinmüller.

Ein Flugzettel wurde zum Verhängnis

Mittels einer Flugzettelaktion mit dem Fahndungsbild ist der Betreiber eines Hostels aufmerksam geworden, dass es sich bei seinem Gast um den Gesuchten handeln könnte. Volltreffer. In enger Absprache mit den Zielfahndern erfolgte die Festnahme – auf offener Straße, nicht unweit des Hostels.

„Er war überrascht, hat sich aber der Portland Police widerstandslos ergeben. Er war unbewaffnet, wobei die US-Beamten sich auf Gegenwehr vorbereitet hatten“, erläutert Reinmüller. Denn: „Seine Flucht war vorbereitet. Mit Öffis, meistens per Bus, war er durch Amerika gereist.“ Herausforderung bei dieser Amtshandlung sei „die Zeitverschiebung von neun Stunden gewesen und die Verfolgung über die weiten Strecken“. Leopold Etz, oberster Mordermittler im Landeskriminalamt, verweist ebenso auf „penibelste Ermittlungsarbeit“, die zu diesem Erfolg geführt habe.

Motiv nach wie vor unbekannt

Derzeit wartet Stefan Eduard W. in Portland im Gefängnis auf seine Auslieferung. „Wie lange genau, das entscheidet die US-Justizbehörde, aber man kann mit mehreren Wochen rechnen“, sagt Karl Schober, Leiter der Staatsanwaltschaft Korneuburg. Sobald der Verdächtige auf österreichischem Boden ist, beginnen die Einvernahmen. Denn bis dato steht das Motiv dieser Bluttat noch nicht fest.

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner: „Dieser Fall ist ein Vorzeigebeispiel für die professionelle Kooperation innerhalb der Polizeieinheiten rund um den Globus.“


Zum Mordfall

Die Tat soll zwischen Ende August und 8. 9. passiert sein, am 18. 9. wurde die Leiche von Sabine W. in Decken und Plastik eingewickelt in der Bettlade einer Kommode aufgefunden. Gegen ihren 22-jährigen Sohn wurde ein internationaler Haftbefehl erlassen.

Am 8. 9. hatte dieser sein Konto aufgelöst. Der auf seine Mutter angemeldete Pkw wurde am Flughafen Schwechat sichergestellt. Persönliche Gegenstände des Verdächtigen fehlten. Der Verdächtige und seine Mutter waren arbeitslos und galten als „kontaktscheu“.