Hälfte der Bauernbetriebe bereit für Digitalisierung. Der Einsatz digitaler Technologien schreitet in allen Lebensbereichen voran. So auch in landwirtschaftlichen Betrieben. 1.010 Bäuerinnen und Bauern aus ganz Österreich wurden mittels telefonischem Interview von dem Marktforschungsunternehmen KeyQUEST zu ihrer Meinung zum Thema Digitalisierung in der Landwirtschaft befragt.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 30. Juli 2021 (18:06)
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Melkroboter stehen, wahrscheinlich auch wegen der hohen Kosten, nicht so hoch im Kurs. Stallkameras und Sensoren zur Überprüfung der Tiergesundheit werden öfter verwendet.
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Die Ergebnisse zeigen, dass fast die Hälfte der Befragten, insgesamt 43 Prozent, der zunehmenden Automatisierung und Digitalisierung sehr positiv oder eher positiv gegenüberstehen. Nur 11 Prozent empfinden diese Entwicklung als eher negativ oder sehr negativ. Gezeigt hat sich dabei auch, dass jüngere im Haupterwerb tätige Betriebsführerinnen und Betriebsführer dem Thema generell positiver gegenüberstehen als ältere Nebenerwerbsbäuerinnen und –bauern.

Die häufigsten Verwendungsursachen in der Betriebsführung sind Lösungen zur Dokumentation von Erfüllungspflichten, wie etwa für das AMA-Gütesiegel, und zum beruflichen Austausch über Kurznachrichtendienste. Insgesamt 70 Prozent der Befragten benutzen diese Technologien bereits, während weitere 10-14 Prozent in Zukunft darauf zurückgreifen wollen. Die Präsentation des eigenen Betriebes auf einer Website oder auf Social Media ist mit 20 Prozent die am wenigsten genutzte Technologie.

Arbeitserleichterung als Hauptzweck

Abhängig von der Produktionsart stehen im Pflanzenanbau vor allem automatische Lenk- und Spurführungssysteme und der Pflanzenschutz im Vordergrund, während in der Tierhaltung vor allem Stallkameras und Sensoren zur Überwachung der Tiergesundheit verwendet werden. „Prinzipiell ist es so, dass einfachere und günstigere Technologien häufiger verwendet werden. Stallkameras zum Beispiel sind einfach zu installieren und bringen schnell Arbeitserleichterung“, erklärt Johannes Mayer von KeyQUEST.

Und genau darum gehe es. Arbeitserleichterung, so zeigt die Studie, sei nämlich der Hauptverwendungsgrund für technologische Lösungen in der Landwirtschaft. Während die Kosten der größte Abschreckungsgrund sind, scheinen die erleichterte Datenaufzeichnung, die gesteigerte Flexibilität, der Zeitgewinn und schließlich die Arbeitserleichterungen die größten Vorteile der Nutzung zu sein.

Mehr spezielle Kurse gewünscht

Gezeigt habe sich aber auch eine große Heterogenität, sagt Mayer. Der Gebrauch von Technologien hänge sehr stark vom Betrieb selbst ab. In jeder Produktionsart seien die Gegebenheiten anders. Das sei auch an den gewünschten Weiterbildungen ersichtlich, so Martin Hirt, Projektleiter für Digitalisierung am Ländlichen Fortbildungsinstitut. „Wären vor einigen Jahren EDV- Basiskurse im Sinne einer Grundausbildung sehr stark gefragt gewesen, behandeln die Veranstaltungen heute vielfach Precision Farming, tierindividuelle Sensoren und Datenvernetzung“.

Dennoch dürfe die Digitalisierung kein Selbstzweck sein, sondern müsse einen betrieblichen Nutzen erfüllen, so der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich Josef Moosbrugger. Aber auch die Politik sei gefordert die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. „Dazu gehören neben dem dringend benötigten Breitbandausbau im ländlichen Raum auch klare und verbindliche rechtliche Vorgaben beim Thema Datenhoheit. Denn eines ist klar: Die auf den Betrieben generierten Daten müssen auch zukünftig in bäuerlicher Hand bleiben“.