Sturm: Wer bei Schäden am Auto haftet. Ein Sturmtief zieht mit orkanartigen Böen durch Österreich. Abgebrochene Äste oder umgestürzte Gerüste richten oft Schäden an Autos an - was zu tun ist und wer wann haftet verrät ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 11. Februar 2020 (17:31)
Sturmtief "Sabine" hat für zahlreiche Schäden gesorgt, auch an Fahrzeugen.
APA/dpa/Daniel Bockwoldt

"Fahrzeugschäden durch Naturgewalten wie Sturmböen über 60 Stundenkilometer sind bei bestehender Voll- oder Teilkaskoversicherung gedeckt – die Versicherung übernimmt auch Reparatur- bzw. Abschleppkosten zur nächsten Werkstatt", erklärt ÖAMTC-Juristin Verena Pronebner. Mit einer Einschränkung allerdings: "Je nach vertraglicher Regelung sind Selbstbehalte in unterschiedlicher Höhe möglich. Genaue Angaben dazu findet man in der Polizze."  

Wichtig: Schäden mit Fotos dokumentieren

Um seine Ansprüche bei der Versicherung geltend zu machen, sollte man sorgsam und rasch handeln: "Wer nach einem Unwetter Schäden an seinem Auto oder Motorrad feststellt, sollte diese mit Hilfe von Fotos dokumentieren und umgehend der Versicherung melden", rät die Expertin des Mobilitätsclubs.

Achtung: War das Auto an einer gefährdeten Stelle, zum Beispiel unter einem offensichtlich morschen Baum geparkt, könnte die Versicherung die Auszahlung wegen "grob fahrlässigen Herbeiführens eines Versicherungsfalles" verweigern. Anders ist es, wenn man vom Unwetter überrascht wurde oder sein Fahrzeug nach bestem Wissen und Gewissen nicht aus der Gefahrenzone entfernen konnte.

Haftpflichtversicherung alleine ist zu wenig

 "Wer lediglich haftpflichtversichert ist, hat kaum Chancen, Geld erstattet zu bekommen", sagt die ÖAMTC-Juristin. "Es sei denn, ein Dritter hat den Schaden verschuldet." Das wäre der Fall, wenn beispielsweise Baufirmen und Werbeunternehmen ihre Gerüste und Plakatwände mangelhaft montiert haben. "Auch wenn lose Dachziegel oder Bäume auf ein parkendes Fahrzeug fallen, könnte der jeweilige Grundstücksbesitzer haften", erklärt Pronebner. "In diesem Fall ist es ratsam, Zeugen namhaft zu machen." 

Wann Grundstückbesitzer, Gemeinde & Co. haften

Entsteht am Fahrzeug ein Schaden durch Bäume am Straßenrand, haftet eventuell der Straßenerhalter, also in der Regel das Bundesland oder die Gemeinde. Dazu muss der Geschädigte dem Straßenerhalter allerdings grobe Fahrlässigkeit nachweisen – etwa, dass ein geknickerter Baum trotz zeitgerechter Meldung Stunden nach dem Unwetter noch immer nicht entfernt worden ist.
Betreiber mautpflichtiger Autobahnen und Vermieter kostenpflichtiger Parkplätze haften hingegen schon für leichte Fahrlässigkeit.

Sturmschäden am Fahrrad: Spezialversicherung nötig

Hinweis für Fahrradbesitzer: "Über die Haushaltsversicherung ist zwar oftmals ein Fahrraddiebstahl gedeckt – Sturmschäden am Fahrrad hingegen nicht. Dafür benötigt man eine spezielle Fahrradversicherung. Dennoch: Ein Blick in die Polizze der Versicherung lohnt sich", rät die ÖAMTC-Expertin.

  • Hilfe bei der Abwicklung von Schadensfällen bietet die Rechtsberatung des Mobilitätsclubs, Infos: www.oeamtc.at/rechtsberatung.