Die Spuren des Todes beseitigen. Wenn die Polizei mit der Tatortarbeit fertig ist, sind sie die Experten, die Spuren von Gewalt und Verwüstung beseitigen. Auch zu Messie-Wohnungen rücken sie aus. Sie kommen dann, wenn alles vorbei ist: die Tatortreiniger.

Von Gila Wohlmann und Eva Hinterer. Erstellt am 28. Juli 2014 (01:01)
NOEN, Shutterstock / Pavel Bolotov

Tatortreiniger sind aber keine Exekutivbeamten, sondern Gebäudereiniger. „Einen Tatort betreten dürfen sie aber nur, wenn dieser von der Polizei freigegeben ist“, erklärt Hermann Scheibleker, Ermittler der Tatortgruppe im Landeskriminalamt NÖ.

Die Polizei nennt den Angehörigen auf Anfrage von Firmen, die solche Spezialreinigungen durchführen. Etwa die von Eveline Bodingbauer, Meisterin in Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung sowie Schädlingsbekämpfung. Sie rückt zu solchen Einsätzen aus. „Guter Magen, gute Nerven, keine Geruchsempfindlichkeit“ seien Grundvoraussetzungen, um in diesem Beruf bestehen zu können.

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Der Geruch von Tod und Verwesung darf nicht schockieren. So erinnert sie sich an eine Bluttat in St. Pölten, bei der ein Mann seine Partnerin mit einem Messer schwerst verletzt hatte. „Die Blutspur zog sich durch das ganze Haus“, erinnert sich Bodingbauer. Angehörige von Gewaltopfern schämen sich oft, in solchen Fällen auf einen Reinigungsservice zurückzugreifen. Bodingbauer: „Die Leute schämen sich für das, was sich innerhalb der Familie zugetragen hat.“ Diese Ausrückungen seien aber nicht ihr „Tagesgeschäft“, nicht zuletzt, weil es in Niederösterreich relativ wenig Bluttaten gibt. „Aber umso mehr bleiben diese Ausrückungen dann im Gedächtnis“, so Bodingbauer.

Hepatitisimpfung und  Schutzanzüge

Die Arbeit eines Tatortreinigers setzt chemisches Wissen und hygienisches Arbeiten voraus. Keime können mitunter zur tödlichen Gefahr werden. „Wir sind alle gegen Hepatitis geimpft und gehen nur mit Schutzmasken, Schutzanzügen, Überschuhen und Handschuhen in diese Räumlichkeiten. „Verwesendes Blut muss mit Enzymreinigern entfernt werden. Diese lösen das Eiweiß“, erklärt sie. Und weiter: „Räumlichkeiten, die von Keimen kontaminiert sind, werden von uns komplett versiegelt und dann mittels eines Luftwäschegeräts gereinigt.“

In Österreich kommen Tatortreiniger nur zum Zug, wenn die Hinterbliebenen dies wollen. „In den USA ist das anders. Da arbeiten Polizei und Tatortreinigungsfirmen Hand in Hand. Die Firmen werden automatisch geholt, auch bei Verkehrsunfällen“, erzählt Bodingbauer. Auch nach einem Selbstmord in Tulln musste sie schon „reinigen“.

„Urin und Exkremente bis an die Wände verteilt“

Ein ganz anderes, stark wachsendes Phänomen ist für die Unternehmerin aus dem Bezirk Tulln das Messie-Syndrom – das zwanghafte Sammeln von Gegenständen – das zu einer kompletten Vermüllung führt.

„Messies sind wirklich kranke Menschen. Sie sammeln alles und schmeißen nichts weg“, sagt Bodingbauer, die manche Wohnungen bereits mehrmals komplett räumen musste. Ihr schlimmster Einsatz war in einem total vermüllten Haus in Tulln: „Urin und Exkremente waren bis an die Wände verteilt“, erinnert sich Bodingbauer. Eine Putzneurose hat die Reinigungsexpertin trotz aller bleibenden (Geruchs-)Eindrücke aber nicht: „Ein bisschen Dreck in vernünftigen Maßen härtet durchaus ab.“