Die Tafel, die alle satt macht. Seit zehn Jahren sorgt die Aktion von Rotem Kreuz und Hitradio Ö3 dafür, dass niemand hungern muss.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 05. August 2020 (04:45)

Seit zehn Jahren gibt es die Team-Österreich-Tafel, ein Gemeinschaftsprojekt von Rotem Kreuz und Hitradio Ö3. Ein Hilfsprojekt, in dessen Rahmen einwandfreie, aber nicht mehr verkäufliche Lebensmittel an Menschen in Not verteilt werden. 1.400 Haushalte werden in Niederösterreich wöchentlich an einer der insgesamt 35 Ausgabestellen der Tafel versorgt.

Gabriele Schönauer vom Roten Kreuz Hollabrunn war von der ersten Stunde an als freiwillige Helferin dabei. „Wir haben mit Mitarbeitern des Rettungsdienstes und der Gesundheits- und Sozialen Dienste (GSD) begonnen und die Aktion regional beworben. Mit dem Einstieg von Ö3 und der österreichweiten Kampagne ist die Aktion dann richtig groß geworden.“ Freiwillige aus allen Altersschichten haben sich gemeldet, „von jungen Leuten ab 18 bis zu Älteren. Sogar zwei Senioren über 60, die bei unseren betreuten Reisen des GSD mitgefahren sind, haben lange mitgemacht.“

 „Viele Menschen, die zu uns kommen, haben einfach niemanden mehr zum Reden.“ Gabriele Schönauer von der Tafel Hollabrunn

 13 Freiwillige hatte die Hollabrunner Tafel zu Beginn, heute sind es 65. „Sogar jetzt zur Coronazeit, wo uns alle älteren Helfer ausgefallen sind, hatten wir nie einen Mangel an Helfern.“ Trotzdem: Freiwillige sind immer willkommen.

Wer bei der Tafel mithelfen will, muss - wie alle Rotkreuz-Mitarbeiter - einen 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren. Ebenso wie eine 16-stündige Ausbildung zum Sozialdiensthelfer. Hier werden Kommunikation, Konfliktbewältigung, aber auch Abgrenzung und Selbstschutz gelehrt. „Sich völlig aufzuopfern bringt nichts“, sagt Schönauer. Den Helfern müsse klar sein, wo ihre Aufgabe endet, daher sei die Sozialhelfer-Schulung wichtig. „Mitleid hilft unseren Klienten ja nicht weiter – und wir hören viele Geschichten.“ Die Tafeln sind auch Orte des sozialen Austauschs, betont Rotkreuz-NÖ-Präsident Josef Schmoll. Das kann Schönauer nur bestätigen: „Viele, die zu uns kommen, haben einfach niemanden mehr zum Reden.“

Wie bei den Helfern sind auch bei den Klienten der Tafel alle Altersklassen vertreten. Warum sie das Angebot in Anspruch nehmen (müssen), hat viele Gründe: Sie reichen von zu geringem Einkommen über Arbeitslosigkeit und Krankheit bis zur Scheidung.

„Was uns die Coronakrise gezeigt hat, ist, wie wichtig es ist, auch Zustellung anzubieten“, sagt Schönauer. Während des Lockdowns wurden die Lebensmittel ausgeliefert, und da habe sich gezeigt, was für ein Segen das für manche Klienten ist. „Etwa Seniorinnen, die nur eine Mindestpension haben, aber keinen Führerschein und kein Auto.“ Den Zustellservice, sagt Schönauer, werde man daher auch weiter anbieten.

Wer bei einer Tafel Kunde ist, muss einen Berechtigungsausweis haben. Den bekommt man nach einem Gespräch mit einem Sozialbegleiter. Zwischen 45 und 60 Personen kommen jeden Samstag zur Hollabrunner Tafel. Nach einem Nummernsystem können sich die Klienten Lebensmittel aussuchen. „Wer zuerst kommt, ist zuerst dran“, erklärt Schönauer, „aber bei uns bekommt jeder etwas, auch der Fünfzigste.“

Die Hollabrunner Tafel kann auf viele Kooperationspartner bauen: Billa, Spar, Hofer und alle Bäcker aus der Region spenden Lebensmittel. Unterstützung gibt es auch von den Rotariern, dem Lions Club und der Sozialabteilung der Bezirkshauptmannschaft. Und von vielen engagierten Privatpersonen. „Ein Landwirt hat uns in der Coronakrise Unmengen an Eiern geliefert. Und wir haben eine Altbäuerin, die sammelt alle Erdäpfel, die für den Handel zu groß oder zu klein sind, packt sie in Säcke und schenkt sie der Tafel. Da merkt man erst, was für eine Energie da dahinter ist.“

Wie lange Schönauer weitermachen wird? Die Frage stellt sie sich nicht. „Bei der Fünf-Jahres-Feier haben wir uns überlegt, dass es schön wäre, wenn es uns zum Zehnjahresjubiläum gar nicht mehr geben müsste“, sagt Schönauer. „Aber es sieht nicht danach aus.“