Testament ist weg!. Arsen-Morde | Knalleffekt vor Prozessbeginn: Beschuldigte soll Beweis beseitigt haben.

Erstellt am 01. April 2013 (20:07)
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NOEN, NÖN, ORF
Von Udo Sagl und Jutta Hahslinger

33 Seiten Anklageschrift, 15 Zeugen, vier Sachverständige und mindestens drei Verhandlungstage: Im Mordprozess gegen die Polin Bogumila W. (52), der am 8. April beginnt, scheut die Staatsanwaltschaft wirklich keine Mühen, um die Beschuldigte zu überführen.

Wie berichtet, wird der Frau zur Last gelegt, innerhalb weniger Monate zwei Männer ins Jenseits befördert zu haben: Herbert Ableidinger (68) aus Wien und Alois Fröschl (61) aus Stratzdorf im Bezirk Krems. Und im Fall Fröschl scheint Staatsanwältin Susanne Waidecker ein Ass im Ärmel zu haben: Eine Woche vor Prozessbeginn wird ein Detail bekannt, das bisher (offensichtlich aus kriminaltaktischen Gründen) nicht öffentlich geworden ist. W. soll Beweismaterial beseitigt haben.

Es geht um den letzten Willen von Alois Fröschl. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann kurz vor Weihnachten 2010 dem Drängen von W. nachgegeben, sie als Erbin einzusetzen. In der Folge soll die Polin dem Pensionisten die tödliche Dosis Arsen verpasst haben, an der er schließlich nach äußerst qualvollem Leiden im Februar 2011 im Krankenhaus starb.

Aber: Zum Zeitpunkt seines Todes liefen bereits Ermittlungen gegen W., weil die Schwester von Fröschl mittlerweile die Polizei eingeschaltet hatte. Als es dann um das Erbe des Opfers ging, hielt sich die Polin zurück. „Das Testament des Alois Fröschl blieb verschwunden“, heißt es wörtlich in der Anklageschrift. Und weiter: „W. wagte es nicht, das Dokument im Verlassenschaftsverfahren vorzulegen. Sie musste befürchten, sich selbst durch die Verwendung des Testaments verdächtig zu machen, sodass sie beschloss, auf das Haus zu verzichten.“

„Letztwillige Verfügung außer Haus gebracht“
W. weist die Vorwürfe zurück. Fröschl habe ihr niemals gesagt, wo das Testament sei. Doch die Staatsanwaltschaft will diese Behauptung durch die Aussage einer Zeugin widerlegen und ist davon überzeugt, „dass W. die letztwillige Verfügung gefunden hat, an sich brachte und damit das Haus verließ.“ Im Erbschaftsverfahren ging die Polin leer aus. Das Haus wurde der Verwandtschaft zugesprochen.
Wie auch immer: Bogumila W. beteuert weiterhin ihre Unschuld und befindet sich seit ihrer Verhaftung in psychologischer Behandlung. „Meiner Mandantin geht es sehr, sehr schlecht“, erklärt Verteidiger Timo Gerersdorfer. Er pocht darauf, dass W. Fröschl und Ableidinger lediglich betreut habe. „Zu beiden Männern hatten auch andere Personen einen Zugang, die eine Möglichkeit hatten, das Arsen zu verabreichen.“