Wohin mit den Exoten?. Immer mehr Schildkröten und Schlangen werden gefunden. Der Platz dafür wird langsam knapp.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 20. August 2019 (05:22)
Sturm
Markus Putzgruber hat auf seinem Gnadenhof in Seebarn am Wagram 380 Schildkröten untergebracht. So auch eine Sulcata (Foto). Er bedauert, dass er aus Platzgründen derzeit keine Tiere mehr aufnehmen kann.

Zwei Tigerbabys in einer Badewanne. Was klingt wie der Titel einer mittelmäßigen Slapstick-Komödie war kürzlich Schlagzeile in Niederösterreich. Die Tiere wurden von einer Slowakin illegal nach Österreich gebracht. Die 33-Jährige wollte die Tiger laut eigenen Angaben in einer Wohnung in Hainburg, Bezirk Bruck an der Leitha, versorgen. Die Tiere sind wohlauf und werden im Tiergarten Schönbrunn betreut.

Dass in Österreich so spezielle Tiere wie Tiger gefunden werden, ist selten. Weit häufiger tauchen jedoch andere Exoten auf. Vor allem werden immer mehr Reptilien in Niederösterreich gefunden. Auch Vogelspinnen und Skorpione werden in den Tierheimen im Land regelmäßig aufgenommen. Wie viele Exoten jährlich im Land genau gefunden werden, kann man nicht sagen. Denn es gibt viele verschiedene Vereine, Verbände und Heime, wo Experten ausrücken, wenn etwa Schlangen eingefangen werden müssen.

„Wir kriegen jedes Jahr etwa 50 Reptilien herein“, sagt Davor Stojanovic, Leiter des Tierheimes in St. Pölten. Zwanzig Prozent davon seien Schildkröten, zehn Prozent Schlangen, der Rest verschiedene Eidechsen. Die Tendenz sei laut Stojanovic in den letzten zehn Jahren bei Reptilien steigend.

Schwierig, geeignete Besitzer zu finden

Was die Einsätze mit Schlangen betrifft lobt Stojanovic die gute Zusammenarbeit mit dem Verein der Freunde des Hauses des Meeres in Wien. Dort könne man aber ebenso keine Tiere mehr aufnehmen. Einen guten Platz für Schlangen zu finden sei schwierig. Für eine sogenannte Bambusotter habe man ein ganzes Jahr gebraucht, bis man einen geeigneten Besitzer gefunden habe. Vonseiten des Tiergarten Schönbrunns heißt es ebenso, dass keine Fundtiere mehr aufgenommen werden können.

Neben den Tierheimen wird auch die Feuerwehr regelmäßig zu Einsätzen gerufen, bei denen Tiere involviert sind. In den meisten Fällen handelt es sich dabei nicht um exotische Tierarten, sondern es müssen etwa Kühe, Schweine oder Pferde geborgen werden. Hin und wieder rettet die Feuerwehr aber eben auch Reptilien. Einen der gefährlichsten Einsätze dahingehend hatte die Feuerwehr Gansbach, Bezirk Melk, im Jahr 2012. Damals sind aus einem Privatstadel mehrere hochgiftige eineinhalb Meter lange Vipern entkommen.

„Es ist mittlerweile schwierig für bestimmte Reptilienarten, wie Boas oder grüne Leguane, Pflegeplätze zu finden.“ Reptilienexperte Georg Jachan

Da waren die ersten Atemschutztrupps bereits in das Brandobjekt vorgedrungen, konnten aber noch, bevor sie gebissen wurden, den Rückzug antreten. Reptilienexperte Georg Jachan hat die Schlangen später entdeckt und unverletzt geborgen. Jachan leitet ein Reptilienheim in Gföhl, Bezirk Krems, aber „unsere Kapazitäten sind ausgeschöpft“. „Vom Grünen Leguan bis zur Boa constrictor haben wir alles. Es ist schwierig, Leute zu motivieren solche Tiere zu pflegen“, sagt Jachan. Mittlerweile fährt er regelmäßig auch ins Ausland wie etwa Polen, um dort Riesenschlangen bei erfahrenen Privatpersonen unterbringen zu können.

Eric Isselee/Shutterstock
Auch in Niederösterreich kommt es vor, dass etwa eine Boa constrictor gefunden wird.

Wird Jachan wegen eines Schlangenfunds kontaktiert, braucht er zuerst mehrere Fotos von den Tieren, damit er die Art bestimmen kann. Dann versucht er, das richtige Serum aufzutreiben, falls das Tier giftig ist. Wenn die Schlange in einem Raum gefunden wird, sollen die Anwesenden mögliche Versteckmöglichkeiten wegschaffen und das Zimmer absperren. Die Schlangen könne der erfahrene Experte, ohne sie zu betäuben, einfangen. Immer wieder wird Jachan auch kontaktiert, wenn Leute, die unüberlegt vor zehn Jahren eine Boa gekauft haben, das Tier nun loswerden wollen, weil sie „ein Kind kriegen oder umziehen“. Er beklagt die „finanziellen Hürden“ seiner Arbeit. „Wir könnten noch viel mehr machen.“

Reptilien-Tierheim gefordert

Auch Markus Putzgruber, Obmann des Vereins „RespecTurtle“ bestätigt, dass immer mehr Schildkröten sowie Schlangen ausgesetzt werden und er in seinem Gnadenhof in Seebarn am Wagram, Bezirk Tulln, kaum noch weitere Tiere aufnehmen kann. Viele würden sich eine kleine Schildkröte kaufen, ohne darüber nachzudenken, was passiert, wenn sie ausgewachsen ist. „Wir kriegen aus ganz Österreich und auch Deutschland Anfragen. Das ist nicht mehr zu bewältigen.“

Putzgruber wünscht sich für Niederösterreich ein Reptilien-Tierheim.

Bei einigen Tieren ist es nicht so leicht, diese in Österreich zu halten. Für viele Arten braucht man etwa die sogenannten CITES-Papiere. Darunter versteht man das Washingtoner Artenschutzübereinkommen, das den internationalen Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten kontrolliert. Laut Tierhaltungsverordnung darf man als Privatperson übrigens gar keine Großkatzen halten, also natürlich auch Tiger nicht.

Amüsantes Detail: Der Verordnung nach dürfen auch keine Wale in Österreich gehalten werden.