Grippewelle: Vorsicht mit Medikamenten am Steuer. Die Grippewelle ist da - und viele Personen müssen Medikamente einnehmen. Etwa 20 bis 30 Prozent aller Medikamente können die Fahrtauglichkeit beeinflussen. Vor dem Losfahren muss deshalb unbedingt der Beipackzettel gelesen und im Zweifelsfall auf das Autofahren verzichtet werden.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 30. Januar 2020 (13:59)
Medikamente am Steuer können fahruntüchtig machen. Im Rahmen einer Umfrage hat jeder fünfte von 2.000 befragten Lenkern zugegeben, in den vergangenen 30 Tagen unter Medikamenteneinfluss gefahren zu sein.
Shutterstock.com/juefraphoto

Österreicher fahren – verglichen mit anderen europäischen Ländern – besonders häufig unter Medikamenteneinfluss. Auch die Akzeptanz des Fahrens unter Medikamenteneinfluss ist hierzulande überdurchschnittlich hoch. Das geht aus den Ergebnissen der internationalen ESRA-Erhebung 2018, die gemeinsam mit dem KFV durchgeführt wird, hervor. Dabei werden 35.000 Verkehrsteilnehmer – darunter 2.000 Österreicher – zu ihren Verhaltensweisen im Straßenverkehr befragt. 

Umfrage: Jeder Fünfte unter Medikamenteneinfluss

Jeder fünfte österreichische Autolenker hat angegeben, innerhalb der letzten 30 Tage nach der Einnahme eines Medikaments mit Warnsymbol mit dem Auto gefahren zu sein. Im europaweiten Durchschnitt waren es nur 15 Prozent. „Viele Grippe- und Schmerzmittel zählen zu jenen Medikamenten, welche die Fahrtauglichkeit beeinflussen können. Gerade in der aktuellen Grippesaison ist Betroffenen daher dringend zu empfehlen, vor Fahrtantritt im Beipackzettel nachzulesen, ob das Medikament Auswirkungen auf die Fahrtauglichkeit hat und im Zweifelsfall von der Inbetriebnahme des Fahrzeugs Abstand zu nehmen“, raten Experten des KFV. 

Verantwortlich ist immer der Lenker

Es liegt in der Selbstverantwortung des Lenkers, sich im Beipackzettel oder alternativ bei einem Arzt oder Apotheker über die Fahrtüchtigkeit zu informieren. Unkenntnis über die Wirkung eines Arzneimittels schützt nicht vor möglichen Rechtsfolgen. Medikamente, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen können, sind mit dem Warnhinweis „Achtung: Dieses Arzneimittel kann die Reaktionsfähigkeit und Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen“ sowie mit einem Gefahrenzeichen gekennzeichnet. 

Folgen für alle Lenker - auch Radfahrer

„Grundsätzlich gilt: Ein Fahrzeug darf nur lenken, wer sich in einer solchen körperlichen und geistigen Verfassung befindet, in der er ein Fahrzeug zu beherrschen und die beim Lenken eines Fahrzeuges zu beachtenden Rechtsvorschriften zu befolgen vermag. Dies gilt für Lenker aller Fahrzeuge, d.h. auch für Radfahrer“, erklärt Armin Kaltenegger, Leiter des Bereichs Recht & Normen im KFV. 

Von Geldbuße bis Führerschein-Abnahme

Der Nachweis des Zusammenhangs zwischen der Arzneimitteleinnahme und der Fahrtüchtigkeit ist schwierig und erfolgt in der Regel durch polizeiärztliche Begutachtung. Wenn die Exekutive eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit in Folge einer Medikamenteneinnahme (ohne Suchtgift) feststellt, ist mit einer Verwaltungsstrafe  von bis zu 726 Euro zu rechnen. Darüber hinaus kann die Exekutive die Weiterfahrt verhindern.
Weitere mögliche Maßnahmen sind die vorläufige Abnahme des Führerscheins, die Überprüfung der gesundheitlichen Eignung für das Lenken eines Kfz und die Einziehung oder Einschränkung der Lenkberechtigung. Bei einem Unfall kann zudem (Mit-)Verschulden aufgrund von Medikamentenbeeinträchtigung festgestellt werden.