Tödlicher Unfall: NÖ Busfahrer vor Gericht. Auf der Rückfahrt von einer Sprachreise ist am 30. Oktober 2015 in Thüringen ein Reisebus mit Schülern und Lehrern, dessen Fahrer aus Niederösterreich war, verunglückt. Dabei starb ein Bub, die anderen Passagiere - Jugendliche und Erwachsene - erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Ab Donnerstag steht der Fahrer in Weimar vor Gericht.

Von Redaktion, APA. Update am 23. Februar 2017 (13:07)
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Symbolbild

Dem 37-jährigen Unglücksfahrer wird fahrlässige Tötung und Körperverletzung vorgeworfen. Der Lenker des oberösterreichischen Busses soll mit überhöhter Geschwindigkeit einen Lastwagen überholt haben.

Nach dem Manöver kam der Bus von der Autobahn ab, raste in eine Böschung und kippte um. Im Fahrzeug saßen Achtklassler einer evangelischen Schule aus Sachsen, die sich auf der Heimreise von einem Englandtrip befanden. Für einen Vierjährigen war es eine Fahrt in den Tod - die Helfer konnten den Sohn einer Lehrerin nicht mehr retten.

59 Jugendliche und fünf Erwachsene wurden verletzt. Mehr als 20 der Businsassen trugen schwere Verletzungen wie Schädel-Hirn-Traumata und Knochenbrüche davon. Die Jugendlichen und ihre Betreuer sind in dem Prozess vor dem Schöffengericht in Weimar als Zeugen geladen. Der Busfahrer selbst - gegen den im Frühjahr 2016 Anklage erhoben wurde - kam bei dem Unfall mit leichten Blessuren davon. Der 37-Jährige hatte laut Staatsanwaltschaft ausgesagt, sich nicht an das Unfallgeschehen erinnern zu können.

Bei dem Prozess soll auch ein Sachverständiger gehört werden. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft wirft ein Gutachten dem Niederösterreicher Fehlverhalten vor. Für das Verfahren sind bis Mitte März zunächst drei Termine anberaumt. Die ersten Zeugen sollen bereits am Donnerstag befragt werden.

Chauffeur berief sich auf Erinnerungslücken

Der Fahrer kann sich nach eigenen Worten nicht an den tödlichen Unfall erinnern. 

"Ich habe den Lkw überholt und dann ist es aus", sagte der 37-Jährige am Donnerstag zum Beginn des Prozesses vor dem Amtsgericht in Weimar.

In einem Prozess um einen tödlichen Busunfall vor fast eineinhalb Jahren auf einer deutschen Autobahn hat der angeklagte Fahrer aus Niederösterreich Erinnerungslücken angeführt. "Ich habe den Lkw überholt und dann ist es aus", sagte der 37-Jährige am Donnerstag vor dem Amtsgericht in Weimar. Der Chauffeur steht wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor dem Schöffengericht.

Er hatte am 30. Oktober 2015 eine Schülergruppe aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz gefahren, als der Bus nach einem Überholmanöver auf der A4 bei Erfurt in eine Böschung fuhr und umstürzte. Dabei kam der vierjährige Sohn einer Lehrerin ums Leben. Alle anderen der mehr als 60 Businsassen wurden verletzt. Die Schüler waren auf der Heimfahrt von einer Sprachreise aus England.

Die Anklage wirft dem Fahrer vor, mit überhöhter Geschwindigkeit überholt zu haben. Er habe die Höchstgeschwindigkeit um 19 Stundenkilometer überschritten, sagte Staatsanwalt Uwe Strewe beim Prozessauftakt am Donnerstag. Zudem nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass der Fahrer entweder abgelenkt oder unkonzentriert war, als er den Bus in die Böschung lenkte.

Der Fahrer bestritt, während der Fahrt das Handy in der Hand gehabt zu haben. Er habe nur über die Freisprechanlage telefoniert. Auch habe er vor dem Unfall einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, um die gesetzlich vorgeschriebene Pause einzuhalten. Zu dem Vorwurf, zu schnell überholt zu haben, sagte er: "Ich habe mich auf den Verkehr konzentriert und nicht wirklich auf den Tacho geschaut."

Sein Verteidiger hält auch ein technisches Versagen aufgrund eines Achsenproblems als Unfallursache für möglich. Er beantragte, den Mitarbeiter eines Abschleppdienstes in den Zeugenstand zu rufen.

Dem Angeklagten drohen im Falle einer Verurteilung eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft. Sein Führerschein wurde in Deutschland gesperrt. In Österreich ist er nach eigenen Angaben für ein anderes Unternehmen weiter als Busfahrer tätig.

Der Prozess wird am 13. März mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt. Auch ein Gutachter soll noch angehört werden.