Bundesheer kämpft virtuell gegen den Terror. In Weitra im Bezirk Gmünd hat das Bundesheer erstmals den unkonventionellen Einsatz gegen die Terrorbedrohung geübt.

Von Christian Leneis. Erstellt am 09. September 2020 (03:29)
Die örtlichen Gegebenheiten erkunden, ohne vor Ort sein zu müssen: Das ist dank virtueller Realität auch beim Bundesheer möglich. Und wurde jetzt geübt.
Chris Leneis

Die Kuenringer-Kaserne wirkt von außen wie eine kleine, verschlafene Kaserne. Dabei ist diese Kaserne gleich in doppelter Hinsicht ein Dreh- und Angelpunkt des Heeres: Einerseits beherbergt sie den „Führungssimulator“, der computerunterstützt der wirklichkeitsnahen taktischen Ausbildung und dem taktischen Training von Soldaten aus dem gesamten Bundesgebiet dient. Hier lassen sich realitätsnahe Gefechtsbilder darstellen, die die Führungsfähigkeit der Soldaten fordert, ohne hunderte Soldaten durch die Gegend zu hetzen. Und andererseits ist die in Weitra untergebrachte Lehrkompanie des Stabsbataillons 3 (Teil der 3. Jägerbrigade aus Mautern bei Krems) für die Ausbildung der angehenden Kadersoldaten aus ganz Österreich zuständig.

Vergangene Woche war die 3. Jägerbrigade (BSK = Brigade schnelle Kräfte) in Weitra, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen: Erstmals übte eine der vier Brigaden des Bundesheeres eine „Schutzoperation“ im Rahmen der militärischen Landesverteidigung. Diese Einsatzart dient der Abwehr von subversiven Kräften (Terroristen), die sich in terroristischer Absicht in Österreich aufhalten und Staat und Bevölkerung schaden wollen. Im aktuellen Übungsszenario ging es darum, dass Terroristen Wien angreifen.

Brigadier Christian Habersatter lässt sich durch einen seiner Offiziere in die aktuelle Übungslage einweisen.
Chris Leneis

Das Problem dabei: In der Regel sind solche subversiven Kräfte auch militärisch ausgebildet und organisiert, und sie werden von außen gesteuert. Derartige Angriffe übersteigen die Möglichkeiten der Exekutive und erfordern eine Abwehr mit militärischen Mitteln. Zusätzlich erschwerend kam bei der Übung die Annahme hinzu, dass diese subversiven Kräfte von Sympathisanten in Österreich unterstützt werden und dass es zu Demonstrationen gegen die Aggressoren kommt. Heißt: An einen direkten Angriff auf diesen subkonventionell kämpfenden Gegner war nicht zu denken.

„Landesverteidigung nicht ohne Brigaden“

In der Realität wäre hier der Einsatz einer Brigade des Bundesheeres unumgänglich. Warum? Die Militärkommandos in den Bundesländern haben andere Aufgaben, etwa die Koordination bei Katastropheneinsätzen oder Assistenzeinsätze an den Grenzen beziehungsweise rund um Corona. Die Brigaden des Heeres sind in der Lage, solche Aufgaben bundesländerübergreifend zu erfüllen.

Brigadier Christian Habersatter, Kommandant der 3. Jägerbrigade (BSK): „Die Brigaden sind die Träger der robusten und kernmilitärischen Aufgaben des Bundesheeres. Hier werden in der Regel mehr als zehn verschiedene Waffengattungen koordiniert und schon in Friedenszeiten auf die Einsätze vorbereitet.“ Gerade die Brigaden könnten solche komplexen und mitunter länger andauernden Aufgaben wie die Abwehr subversiver Kräfte nicht nur planen, sondern auch führen und durchführen, sagt Habersatter.

Die „Dritte“ ist wie geschaffen für derartige Terrorszenarien: Drei „geschützte Jägerbataillone“ mit gepanzerten Gefechtsfahrzeugen stellen die Kampftruppe der Brigade. Sie sollen die Terroristen ausschalten. Dazu gibt es noch ein Versorgungsbataillon für die Versorgung mit Nahrung, Munition, Sprit und Verbrauchsgütern, ein Pionierbataillon für die technischen Anforderungen und ein Aufklärungs- und Artilleriebataillon, das die Lage erkundet und – wenn nötig – mit ganz schweren Waffen die Terroristen neutralisieren kann.

Gefechtsfeldaufklärung geschieht jetzt virtuell

Vergangene Woche ging es in Weitra um verschiedene Terroristengruppierungen, die sich am „Kaisergrund“ in Wien-Floridsdorf eingebunkert hatten. Dort sollten sie – möglichst ohne die Zivilbevölkerung zu gefährden – ausgeschaltet werden. Alle Aufgaben wurden an den Computern des Führungssimulators eingespielt, und die Soldaten mussten in jeder Situation die richtigen Entscheidungen treffen.

Mit „Geo-Ops“ üben in virtueller Realität

Noch etwas Neues wurde von der 3. Jägerbrigade bei der aktuellen Übung erprobt: Die „GeoOps“ – „Geographic Operations“ des Bundesheeres. Sie ermöglichen eine 3D-Darstellung des Einsatzgebietes mittels virtueller Realität. Dieses System kann nicht nur für das Training, sondern für weltweite Einsätze genutzt werden. Dadurch können die Soldaten einen Einblick in den Einsatzraum nehmen, ohne dass sie dort tatsächlich anwesend sein müssen.