Zug verlor Tür: "Problematische Sprachbarriere". Ein ICE mit 300 Passagieren an Bord hat im September 2016 in einem Tunnel auf der Westbahnstrecke eine von einem russischen Zug verlorene Tür überfahren und war steckengeblieben. Laut ÖBB ist der Vorfall aufgearbeitet.

Von APA Red. Erstellt am 22. September 2017 (13:44)
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Symbolbild

"Die Situation der in Österreich betrieblich nicht geschulten Fahrgastbetreuer des betroffenen Wagens (...) war problematisch", urteilte nun die Untersuchungsstelle des Verkehrsministeriums, wie der "Kurier" berichtete.

Der russische Zug auf dem Weg von Moskau nach Nizza hatte im Stierschweiffeldtunnel die Tür verloren (wir hatten berichtet, siehe weiter unten). Der nachfolgende ICE 90 überfuhr das Hindernis und brauchte laut dem Zeitungsbericht zwei Kilometer, um zum Stillstand zu kommen. Die Fahrgäste mussten damals mit Unterstützung der Feuerwehr evakuiert werden. Verletzt wurde niemand. Die Strecke blieb stundenlang gesperrt.

Den Zugbegleitern war die verlorene Tür aufgefallen, aber "sie begaben sich vom letzten Wagen im Zugverband in einen vorderen Wagen (...) und konnten sich auf Grund der Sprachbarriere nicht klar ausdrücken. Betrieblich unterwiesene Mitarbeiter (Fahrgastbetreuer) hätten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Notbremse betätigt", zitierte der "Kurier" am Freitag aus dem Bericht.

Erst fünf Minuten nach dem Zusammenprall habe die Verkehrsleitung die Meldung erreicht, dass der ÖBB-Nachtzug mit den russischen Waggons die Tür verloren hatte.

"Der betroffene Zug war zum Unfallzeitpunkt im Sinne der nationalen Standards mit drei österreichischen Zugbegleitern der ÖBB, somit ausreichend besetzt", betonte die ÖBB auf APA-Anfrage. "Darüber hinaus befand sich noch russisches Betreuungspersonal an Board, das nach russischen Standards geschult war."

Die Auslösung der Notbremse sei trotz aller etwaiger sprachlicher Barrieren jedem Zugbegleiter zuzumuten. Gemeinsam mit der russischen Bahn wurde der gesamte Vorfall aufgearbeitet und entsprechende Maßnahmen daraus abgeleitet, hieß es in der Stellungnahme.