NÖ Kinderpornohändler ist dreifacher Familienvater! . Aufgeflogen: 36-Jähriger aus dem Bezirk St. Pölten-Land verschickte sogar Bilder seiner dreijährigen Tochter.

Von Gila Wohlmann. Update am 19. November 2019 (14:03)

Unauffällig. Angestellter. Vater dreier Kinder. Und dabei ein großes Faible für Kinderpornographie. 3.900 Dateien mit einschlägigem Inhalt wurden auf Datenträgern eines 36-Jährigen, der südlich von St. Pölten wohnt, entdeckt.

„Das sichergestellte Datenmaterial umfasste rund fünf Terrabyte“

Aufgeflogen ist der Familienvater durch Ermittlungen des Landeskriminalamtes Steiermark. Dessen Ermittler waren einem anderen Tatverdächtigen auf der Spur. Mit diesem hatte der 36-Jährige Bilder ausgetauscht. Daraufhin wurden die Ermittlungen vom Landeskriminalamt Niederösterreich, Ermittlungsbereich Sexualdelikte, übernommen. Mit Erfolg: Die Kriminalisten konnten einen groß angelegten Kinderpornohandel aufdecken.

Am 8. Jänner fand an der Wohnadresse des Beschuldigten eine gerichtlich angeordnete Hausdurchsuchung statt. Dabei wurden zahlreiche Datenträger sichergestellt. Bei der anschließenden Vernehmung zeigte sich der Beschuldigte teilweise geständig und gab an, Dateien mit kinderpornografischem Inhalt mit zumindest fünf Chatpartnern getauscht zu haben. Nähere Angaben zu den Chatpartnern konnte der Beschuldigte nicht machen.

„Das sichergestellte Datenmaterial umfasste rund fünf Terrabyte. Um diesen Umfang auswerten zu können, wurde von der Staatsanwaltschaft St. Pölten extra ein Sachverständiger bestellt“, berichtete Landespolizeidirektor-Stellvertreter Franz Popp im Rahmen einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag beim Polizeisportverein St. Pölten und gratulierten seinen Ermittlern zu diesem Erfolg.

Bei der forensischen Auswertung konnte festgestellt werden, dass der Beschuldigte im Zeitraum von Februar 2010 bis November 2018 mit insgesamt 48 verschiedenen Personen über verschiedene Messenger-Dienste gechattet hat und rund 3.900 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt auf seinen Datenträgern vorhanden waren.

Beschuldigter forderte Minderjährige in Chats zu Nacktfotos auf

„Mit 20 der 48 Chatpartner dürfte der Beschuldigte auch Dateien mit kinderpornografischen Material ausgetauscht haben. Bei der Auswertung konnte festgestellt werden, dass der 36-Jährige auch Nacktfotos seiner dreijährigen Tochter angefertigt und an mehrere User via Messenger-Dienste übermittelt hat“, informierte Michael Renghofer vom Landeskriminalamt Niederösterreich.

Ferner dürfte der Verdächtige seine Tochter im Videochat anderen Usern präsentiert haben. „Es gibt aber derzeit keine Hinweise, dass er selbst seine Tochter oder die anderen Kinder missbraucht hat“, sagt Eric Egretzberger, Leiter des Ermittlungsbereichs Sexualdelikte im Landeskriminalamt Niederösterreich.

Bei der forensischen Auswertung hat sich überdies ergeben, dass der Beschuldigte mit sechs weiteren, vermutlich unmündigen bzw. minderjährigen Usern, Chats geführt haben soll, wobei er diese zur Übermittlung von Nacktfotos und Videos aufgefordert haben soll.

So wurde im Juli 2010 eine 13-Jährige aus einem anderen Bundesland beim Chatten vom Beschuldigten aufgefordert, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Dieser Aufforderung kam das Mädchen auch nach. Aufgrund des Opferschutzes wollte man keine näheren Details zu ihrer Herkunft preis geben.

Über Anordnung der Staatsanwaltschaft St. Pölten ermittelten die IT-Experten des Landeskriminalamtes Niederösterreich mehrere der unbekannten Chatpartner, davon drei in Österreich, je einer in Tirol, Salzburg und sowie drei in Deutschland, einer in Zypern und einer in der Ukraine.

Die Amtshandlungen gegen die in Österreich ausgeforschten Chatpartner werden von den zuständigen Landeskriminalämtern geführt. Die ausländischen Tatverdächtigen werden durch die jeweils national zuständigen Justiz- und Polizeibehörden verfolgt. Über die IP-Adressen wird nun versucht, die User auszuforschen. Die entsprechenden Unterlagen wurden von der Staatsanwaltschaft St. Pölten mittels Rechtshilfe an die jeweiligen Staaten übermittelt.

Der 36-Jährige wurde von der Staatsanwaltschaft St. Pölten auf freiem Fuß angezeigt. „Derzeit bestehen keine Haftgründe“, sagt Staatsanwalt Karl Wurzer. Jetzt wird genau abgewogen, was die Staatsanwaltschaft ihm bei der Verhandlung zur Last legen wird. Der Strafrahmen für solche Delikte bewegt sich aber, betont er, „zwischen ein und zehn Jahren Haft.“

Die NÖN wollte abschließend wissen, ob bei dieser groß angelegten Tauschbörse von kinderpornographischem Material das „Darknet“ eine Rolle spielte. „Das Darknet wird sehr oft für solche Vorgänge genutzt, in diesem Fall aber definitiv nicht“, sagt Egretzberger. Und: „Die Kinder, die auf den Bildern dargestellt werden, stammen großteils aus dem Ausland und bewegen sich vom Kleinkindalter bis zur Pubertät. Darstellungen von Säuglingen, was manchmal auch in der Kinderpornographie-Szene vorkommt, waren hier nicht dabei.“

Ob das Internet und Messenger-Dienste das Interesse an Kinderpornographie wecken?

„Kinderpornographische Darstellungen gab es auch früher immer, aber die multimediale Welt und soziale Netzwerke erleichtern natürlich die Zugänglichkeit“, stellt der Ermittler fest. Staatsanwalt Wurzer begrüßte indes in diesem Zusammenhang die zunehmende „Kooperationsbereitschaft von Messenger-Diensten, Ermittlungsarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft zu unterstützen.“