Beratung für Gewalttäter MUSS jetzt sein. 340 Personen mussten sich in NÖ seit 1. September zur verpflichtenden Gewaltberatung melden.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 25. November 2021 (04:35)
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Seit 1. September müssen Gewalttäter eine Beratung absolvieren. In NÖ läuft das gut, heißt es bei Neustart.
Shutterstock. com/Motortion Films

Seit 1. September müssen Gewalttäter, gegen die ein Betretungs- und Annäherungsverbot verhängt wurde, eine sechsstündige Beratung bei Neustart absolvieren. Rund 340 Zuweisungen gab es seither, wie Neustart-NÖ-Leiter Alexander Grohs der NÖN erzählt.

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Alexander Grohs, Leiter von Neustart in NÖ.
LPD/ Greene

Innerhalb der vorgegebenen 5-Tage-Frist haben sich rund 70 Prozent der Klienten gemeldet, „mittlerweile geht es in Richtung 80 Prozent“, sagt Grohs. Meldet sich jemand nicht, muss die zuständige Sicherheitsbehörde informiert werden.

Frauenorganisationen hatten bemängelt, dass die Beratung in einem Zwangskontext stattfindet. Ein Argument, das Grohs nicht nachvollziehen kann. „Wir sind es ja gewohnt, mit Menschen zu arbeiten, die dazu verpflichtet sind. In der Bewährungshilfe ist es ja nicht anders.“ Überdies sagen viele der Zugewiesenen, dass sie nicht freiwillig gekommen wären – um dann zuzugeben, dass sie aus der Beratung doch einiges mitnehmen.

"Sechs Stunden ersetzen keine Therapie, aber sie sind ein Türöffner" Alexander Grohs 

Grohs: „Wir sind in der Arbeit mit Zwangskontexten geschult, wir wissen, wie Widerstände abgebaut werden.“ Auch, dass sechs Stunden zu wenig sind, wird kritisiert. Grohs dazu: „Ja, sechs Stunden ersetzen keine Therapie, aber sie sind ein Türöffner und zeigen den Betroffenen, dass sie ein Problem haben, an dem sie etwas ändern müssen.“ Neustart vermittelt diese Personen auch weiter in Therapien, an die Männerberatung oder zu Anti-Gewalt-Trainings.

Zu 90 Prozent sind es Männer, die in die Beratung müssen: vom Hilfsarbeiter bis zum Akademiker, Österreicher und Migranten.

Rund 18 Neue Mitarbeiter musste Neustart in NÖ anstellen, um die Aufgabe zu bewältigen. Bezahlt wird die Beratung vom Bund. Bisher, sagt Grohs, hatte Neustart NÖ nur drei Fälle, in denen das erste Gespräch abgebrochen werden musste, weil die zugewiesene Person aggressiv reagiert hat.

https://www.neustart.at/at/de/index.php