Tatzgern: Schlepper ohne Rücksicht auf Migranten

Durch die verstärkten Gegenmaßnahmen an der Grenze zu Ungarn hätten die Schlepper ihr Vorgehen geändert und würden die Flüchtlinge mittels Klein-Lkw und Vans direkt nach Österreich bringen, sagte Gerald Tatzgern, Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schlepperkriminalität im Bundeskriminalamt, im Gespräch. Dies sei eine sehr gefährliche Methode - "und sie nehmen keine Rücksicht auf die Migranten".

Erstellt am 19. Oktober 2021 | 16:41
Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt
Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt
Foto: APA (Hochmuth)

Derzeit werden in Österreich mehrere hundert Flüchtlinge pro Woche aufgegriffen, dieses Jahr bereits rund 30.000 - womit man auf dem Niveau von 2014 angekommen sei. "Das Burgenland ist absoluter Schwerpunkt", betonte Tatzgern. Dies sei der Grenze zu Ungarn geschuldet, über das die Balkanroute führt. Jene, die über Slowenien kommen, würden nach Italien wollen.

Bis vor kurzem sammelten sich die Migranten in Ungarn, um über die Grüne Grenze ins Burgenland zu gelangen. Dem habe man durch die verstärkten Kontrollen einen Riegel vorgeschoben, weshalb die Schlepper die Menschen nun mit Fahrzeugen ins Land bringen, eine "sehr gefährliche Methode", wie man nun bei der jüngsten Tragödie gesehen hat.

Was die Fahrer und Schlepper betrifft, gehören diese alle zu größeren Strukturen, die das lukrative Geschäft kontrollieren. Beim Transport per Lkw bzw. Klein-Lkw gehen die Kriminellen sehr professionell vor, indem sie Voraus-Fahrzeuge einsetzen, die vor Bundesheer oder Polizei warnen und so die folgenden Migranten abschirmen. Im Gegenzug hat man bereits auf ungarischer Seite verdächtige Lastwagen bei den Sammelpunkten im Visier, was sich als sehr effektiv erwiesen habe.

Warum die Migranten versuchen, die heimischen Behörden zu umgehen, habe den Grund darin, dass Österreich gar nicht ihr Zielland ist und sie sich deshalb nicht hierzulande registrieren lassen wollen. Die meisten würden laut Tatzgern nach Deutschland, die Niederlande, Belgien oder Schweden wollen.