Virologen warnen: Masernausbruch in Niederösterreich. Derzeit läuft in Österreich eine neue Kampagne zur Propagierung der Impfung gegen Masern.

Erstellt am 02. Februar 2014 (09:04)
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Dass das wichtig ist, beweist ein aktueller Ausbruch der potenziell gefährlichen Kinderkrankheit in Niederösterreich und Wien. Die Krankheit wurde sogar in ein Krankenhaus eingeschleppt, berichten die Experten des Departments für Virologie der MedUni Wien.

"Das Jahr hat kaum begonnen und doch werden wir schon wieder mit einem neuen Masernausbruch in Niederösterreich/Wien konfrontiert, der, um es umgangssprachlich auszudrücken, wirklich 'alle Stückl'n spielt' und eindrucksvoll demonstriert, dass es sich bei den Masern tatsächlich um eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen handelt", schrieb Expertin Heidemarie Holzmann. Das Department fungiert auch als österreichische Referenzzentrale für Virusdiagnostik.

"Wieder Ausbrüche mit fünf gemeldeten Fällen"

"Masern sind kein Kinderspiel", lautet der Slogan der aktuellen Kampagne. Bei deren Vorstellung erklärte Pamela Rendi-Wagner, Sektionsleiterin für Öffentliche Gesundheit im Ministerium: "Wir haben auch in den letzten zwei Wochen wieder Ausbrüche mit fünf gemeldeten Fällen."

Die Virologen legten jetzt in ihrer "Virusepidemiologischen Information" die Details offen: "Der Indexfall (der erste Patient; Anm.), ein dreijähriger Bub, erkrankte Anfang Dezember 2013 an Masern und wurde hospitalisiert." Doch weil in dem Krankenhaus eine Ärztin die Masern offenbar weder je gehabt hatte noch einen entsprechenden Impfschutz aufwies, steckte sie sich an. Außerdem wurde in dem Krankenhaus auch noch ein elf Monate alter Säugling infiziert.

Damit nicht genug, so die Wiener Experten: "Zudem hatte der Indexpatient (das dreijährige Kind; Anm.) zwei Familienmitglieder (24 bzw. 31 Jahre alt) infiziert, von denen sich eine Person, die in einer Betreuungseinrichtung tätig war, um die Weihnachtszeit mit Fieber und Exanthem (typischer Hautausschlag; Anm.) zum Arbeitsplatz geschleppt hatte."

95 Prozent der Bevölkerung sollten immunisiert sein

Das hatte Folgen: Zwar leiteten die Behörden sofort "Abriegelungsimpfungen" im Umfeld der Patienten ein, doch bei der Erhebung des Impfstatus der Betroffenen steckte sich eine nicht immune (weder Krankheit noch ausreichender Impfschutz) Sozialarbeiterin an. Und diese infizierte wiederum ihre beiden nicht geimpften Kinder.

Der Ausbruch der Masern ging auf diese Weise weiter. Die Fachleute: "Beide Kinder besuchen einen Montessori Kindergarten, in dem nun auch Abriegelungsimpfungen vorgenommen werden mussten." Zusätzlich übertrug das im Krankenhaus infizierte Baby das Masernvirus auch noch auf zwei junge, erwachsene Familienmitglieder. Die Virologin: "Die Erkrankungen der Erwachsenen hätten durch Impfung verhindert werden können, der Säugling wäre jedoch auf eine 'Herdenimmunität' angewiesen gewesen." Unter "Herdenimmunität" versteht man, dass ein Krankheitserreger durch einen hohen Durchimpfungsgrad in der Bevölkerung nicht mehr zirkulieren kann.

Gegen die Masern sollten 95 Prozent der Bevölkerung immunisiert sein. Die Erstimpfung sollte ab dem elften Lebensmonat erfolgen (95-prozentige Schutzrate). Die zweite Impfung (noch einmal 95-prozentige Schutzrate und damit faktisch 100 Prozent) sollte auf jeden Fall bis zum Ende des zweiten Lebensjahres verabreicht werden.

In Österreich sind hingegen nur 60 bis 80 Prozent der Zweijährigen gegen Masern, Mumps und Röteln geschützt. Der "Herdenschutz" ist für Säuglinge unter elf Monaten, Immunsupprimierte und Schwangere - entscheidend. Kinder, die vor dem zweiten Lebensjahr an Masern erkranken, haben das höchste Risiko eine tödlich verlaufende Spätfolge, die sogenannte SSPE (subakut sklerosierenden Panenzephalitis), zu entwickeln. Das ist eine unbehandelbare fortschreitende Gehirnentzündung.