Wie das Coronavirus Niederösterreich einnahm. 70.122 Landsleute wurden bisher positiv getestet. Die Erste war Birgit Schlerith. Sie erzählt, warum sie damals Todesangst hatte und wie es ihr nun geht.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:47)
Symbolbild
APA (dpa)

„Ich hatte Todesangst“, sagt Birgit Schlerith. Die Harmannsdorferin (Bezirk Korneuburg) war mit ihrem Mann Daniel die Erste, die in Niederösterreich positiv auf Covid getestet wurde. Der Moment, in dem das Paar die Hiobsbotschaft erhielt, liegt mittlerweile fast auf den Tag genau ein Jahr zurück: Am 29. Februar 2020 kam die 41-Jährige, nachdem sie sich für einen Tag schlapp fühlte und Fieber bekam, als erste Covid-Patientin aus NÖ in ein Wiener Krankenhaus. Damit hat die Corona-Zeit in NÖ offiziell begonnen.

Am 29. Februar 2020 wurden Birgit und Daniel Schlerith als erste Niederösterreicher positiv auf Covid-19 getestet. Dass uns Corona noch ein Jahr später beschäftigen wird, ahnte damals noch keiner.
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Nur wenige Tage zuvor ist die neuartige Krankheit in Österreich erstmals aufgeschlagen. Am 25. Februar gab es die ersten Fälle. Am 11. Februar erhielt die Krankheit von der WHO ihren Namen – Covid-19. Der steht für Corona Virus Disease, also Corona Virus Krankheit. 19 zeigt das Jahr des Ausbruchs an.

"Mir ist die Luft weggeblieben"

Während sich nach zwölf Monaten eine gewisse Routine eingestellt hat, bereitete Schlerith das fehlende Wissen über die Krankheit damals große Angst: „ Man kannte aus den Medien nur die schrecklichen Bilder aus China“, sagt die 41-Jährige. „Als ich erfahren habe, dass ich positiv bin, ist mir die Luft weggeblieben. Viele in meinem Bekanntenkreis sind regelrecht erstarrt. Von diesem Moment an ist es mir von Minute zu Minute schlechter gegangen. Ich habe mir gedacht, wir sterben jetzt“, erzählt Schlerith, die darin heute einen psychologischen Effekt sieht.

Mittlerweile ereilte über 70.122 Niederösterreicher ein ähnliches Schicksal wie Birgit Schlerith und ihren Mann: Das sind knapp über vier Prozent der NÖ-Bevölkerung, die bis zum „Jahrestag“ positiv auf Covid getestet wurden. Besonders steil nach oben ging die Infektionskurve im Herbst. Mit 1.131 die meisten Neuinfizierten wurden am 6. November verzeichnet.

Kritische Situation im Spital abgewehrt

Ein Großteil der positiv Getesteten konnte die Krankheit zuhause ausstehen oder hatte überhaupt keine Symptome. Im Krankenhaus behandelt wurden bisher rund acht Prozent aller Infizierten. In Summe sind das 5.893 Menschen. Der Höchststand wurde mit 115 Patienten auf den Intensivstationen am 24. November verzeichnet.

Foto: Mr. Tempter/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

„Wir haben uns wochenlang auf einem sehr hohen Niveau bewegt. Ein absolut kritischer Bereich konnte aber vermieden werden“, resümiert man bei der Landesgesundheitsagentur (LGA) nach einem Jahr Pandemie. Zurückgeführt wird das auf sorgsame Planung. „Wir haben immer darauf geachtet, dass wir mit unseren Kapazitäten einen Schritt voraus sind“, sagt Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP).

Virus-Mutationen bereiten Kopfzerbrechen

Die Krankheitsverläufe waren bisher sehr unterschiedlich, beobachteten Ärzte der LGA. Ein Muster zeigt sich aber: Kritisch wird es, wenn sich der Erreger in den unteren Atemwegen ausbreitet. Dann droht Lungenversagen. Gestorben sind an oder mit Covid in NÖ bisher 1.232 Menschen. Momentan werden 321 Covid-Patienten in Spitälern behandelt, davon 61 auf Intensivstationen. „Das ist die Hälfte der Patienten, die wir im Herbst in den Krankenhäusern hatten, aber immer noch wesentlich mehr als in der ersten Welle“, analysiert Pernkopf die Lage. Kopfzerbrechen bereiten den Verantwortlichen jedoch die Virus-Mutationen, die sich auch in NÖ ausbreiten.

Birgit Schlerith ist ein Jahr nach der Infektion wieder „fast auf dem Leistungsniveau von vorher“. Sie leide als Unternehmerin heute aber „an den Kollateralschäden der Pandemie“. Außerdem betont sie, dass die psychologische Betreuung nach einer Infektion zu kurz kommt. „Für mich war das ein traumatisierendes Erlebnis.“