Vom Griff zum Übergriff. Berührungen können leicht missverstanden werden. Vereine setzen auf Schulung und Aufklärung.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 05. Juni 2018 (03:00)
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Die Arbeit mit Kindern ist ein extrem sensibler Bereich, in dem es leicht zu Missverständnissen kommen kann. Vereine setzen auf Prävention und Ausbildung ihrer Jugendbetreuer.stock.com

Mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, auch ehrenamtlich, bereitet vielen große Freude. Aber die kann schnell getrübt werden. Nämlich dann, wenn plötzlich eine Anzeige wegen sexueller Belästigung gegen den Betreuer im Raum steht oder wenn Kinder untereinander übergriffig werden. Die Sensibilität für Missbrauch steigt. Vieles, was früher als normal galt oder verschwiegen wurde, hat heute strafrechtliche Folgen. Die Gefahr, durch eine unbedachte Handlung eines sexuellen Übergriffes verdächtigt zu werden, steigt. Wie gehen Vereine, die mit Kindern arbeiten, damit um?

Die Naturfreundejugend hat „Kinderschutz-Teams“ ins Leben gerufen. Diese informieren all jene, die im Verein mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, über die „Do’s and Don’ts“ in der Kinder- und Jugendarbeit. Und sie sind auch Ansprechpartner bei Verdachtsfällen in Familien. „Kinderschutz und Prävention vor sexualisierter Gewalt gegen und zwischen Kindern und Jugendlichen sind uns ein wichtiges Anliegen“, sagt Nicole Schmaldienst, Landesjugendvorsitzende der Naturfreunde und selbst dreifache Mutter: „Potenzielle Täter haben bei uns keine Chance!“ Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kinderschutzteams informieren in Workshops, via Infomaterialien oder persönlich. „Vorfälle gab es bislang keine, aber Prävention ist vorrangig“, sagt Schmaldienst.

„Die Kinder können selbst entscheiden, ob sie das zulassen wollen oder nicht. Es geht immer um die Wahlfreiheit.“ Sonja Kellner, Rotes Kreuz NÖ

Auch bei Sportvereinen weiß man, dass Prävention wesentlich ist. „Gerade, als wir in der Planungsphase waren, neue Leitregeln im Umgang mit unseren Nachwuchsspielern zu formulieren, erschütterte uns ein Vorfall innerhalb des Verbandes. (In Wien hatte ein Volleyballtrainer über Jahre hinweg unmündige Mädchen missbraucht, Anm.) Dieser Vorfall hat uns noch mehr bestärkt, hier neue Akzente zu setzen“, sagt Christian Lick vom NÖ Volleyballverband.

Also hat der Verband in enger Zusammenarbeit mit der NÖ Kinder- und Jugendanwaltschaft (KIJA) und dem Land NÖ einen Präventionsfolder „Signale erkennen und handeln“ entwickelt. Eine Maßnahme, die Gabriela Peterschofsky-Orange, Leiterin der KIJA begrüßt: „Auch wir merken, dass diese Thematik immer sensibler wird. Alles, was zum Schutz der Kinder beiträgt, erfährt durch uns volle Unterstützung.“ Die KIJA hat überdies ein eigenes Infoblatt zum Thema „Erste Hilfe bei Gewalt & Mobbing“ aufgelegt.

Körperkontakt ist oft nicht zu vermeiden

Körperkontakt ist auch beim Jugend-Rot-Kreuz, wo Erste-Hilfe trainiert wird, oft nicht zu vermeiden. Doch wie bringt man jemanden probeweise in die stabile Seitenlage, ohne dabei einen Fehlgriff zu begehen? „Den Kindern wird vorab die richtige Lage erklärt. Dann können sie selbst entscheiden, ob sie das zulassen wollen oder nicht. Es geht immer um die Wahlfreiheit“, erklärt Rotkreuz-Sprecherin Sonja Kellner.

Auch bei der NÖ Feuerwehr mit 5.500 Jugendmitgliedern und riesigen Jugendlagern ist man sensibilisiert. Getrennte Duschen und Zelt-Schlafplätze sind selbstverständlich, ebenso intensive Schulung der Betreuer. „Wir laden hierfür Psychotherapeutin Rotraut Perner als Expertin ein“, informiert FF-Sprecher Franz Resperger.