Kernfrage in dem Prozess: Mord oder Totschlag?. Ehefrau (48) mit 51 Messerstichen getötet: Weinviertler (55) beteuert Totschlag.

Von Jutta Hahslinger. Update am 01. Oktober 2018 (12:54)

„Ich habe sie geliebt, ich wollte sie nicht töten“, beteuert der 55-jährige Landwirt Andreas L. aus Waitzendorf vor Gericht. Er erzählt, dass es am 29. März dieses Jahres beim Frühstück mit seiner Ehefrau Monika (48) zu einem heftigen Streit gekommen sei. Wie schon oft zuvor in den 29 gemeinsamen Ehejahren: „Sie war sehr rechthaberisch und wollte immer das letzte Wort haben. Ich habe immer nachgegeben, alles hinunter geschluckt und mich entschuldigt.“

Das unschöne Streitgespräch über die Scheidung an jenem Morgen in der Küche habe dann Jahrzehnte an unterdrückter Wut und Demütigung ausbrechen lassen: „Als sie von der Liebe zu einem anderen Mann und von der Scheidung gesprochen hat und ankündigte, dass ich alles verlieren werde, was ich mir in meinem Leben erarbeitet habe, hat es bei mir klick gemacht. Da ist so eine Wut in mir hochgekommen“, schildert der Angeklagte mit leiser, stockender Stimme. Er habe sich von ihr provoziert gefühlt und da sei es dann eskaliert. Plötzlich habe er ein Messer in der Hand gehabt und zugestochen. Wie oft, will er nicht wissen: „Es ist alles verschwommen“, beteuert er. Die Frau sei tot am Boden gelegen, da sei er erst wieder zu sich gekommen. Danach habe er die Tatwaffe gewaschen und die Rettung alarmiert.

„Sie haben 51-mal auf Ihre Frau eingestochen. Der massive Blutverlust führte letztlich zu einem Herz- und Kreislaufversagen“, sagt Richter Martin Bodner und er befragt den angeklagten eingehend über die gemeinsamen Jahre mit dem Opfer.

Während Staatsanwältin Anna Weißenböck in der Bluttat von L. einen Mord sieht, plädiert Astrid Wagner, die Verteidigerin des Weinviertlers auf Totschlag. „Die Tat geschah infolge eines Affektdurchbruchs. L. befand sich in einem hochgradig emotionellen Erregungszustand. Lange unterdrückte Gefühle kamen eruptionsartig zum Ausbruch und er handelte im Affekt“, erläutert sie, und verweist auf das psychiatrische Gutachten von Werner Brosch.

„Ihm sind Sicherungen durchgebrannt“ Experte Werner Brosch

Der Sachverständige bestätigt, dass L. zum Tatzeitpunkt zweifellos von einer heftigen Gemütsbewegung betroffen war und im Affekt gehandelt habe. Ihm seien die Sicherungen durchgebrannt. Neurologisch und psychisch gesehen sei der 55-Jährige gesund und zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig gewesen, erläutert der Experte.

„Der Papa hat nie a böses Wort verloren, während ihn die Mama oft mit Vorwürfen überhäuft hat“, schildert die Tochter (25) vom ruhigen und harmoniebedürftigen Wesen des Vaters. Als friedvollen Menschen beschreiben L. Vereinsfreunde und Nachbarn.

Der Prozess geht mit weiteren Zeugenbefragungen weiter.