Raubopfer chauffiert Täter zur Polizei. Aus Verzweiflung und Geldnot will 49-Jähriger einen Taxifahrer überfallen haben: "Seelischer Tsunami hat mich erwischt!"

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 01. September 2014 (12:22)
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„Zahlen oder Schlüssel abgeben!“ Nach Scheidung, Jobverlust und Geldproblemen brachte der drohende Verlust der Wohnung Günther B. am 16. Juni dieses Jahres an den Rand der Verzweiflung. „Ich war depressiv, überlegte, mich komplett zu verabschieden. Ein seelischer Tsunami hat mich erwischt“, schildert der 49-Jährige seinen damaligen Gemütszustand vor Gericht. Dann sei er auf die Idee verfallen, einen Überfall zu begehen. „Keine Bank, da liegen die Chancen erwischt zu werden bei 90 Prozent. Aber Taxis gibt es viele, und niemand hat einen Schaden“, offenbart B. seine Überlegungen. „Das mit einer Waffe bedrohte Opfer aber schon“, entgegnet Richterin Anna Wiesflecker harsch.

„Die Angst ist heute noch da“

„Er stieg am Taxistand am Flughafen Schwechat ein, und ich brachte ihn ans gewünschte Ziel, ein abgelegener Parkplatz an der B9 nahe Mannswörth. Als ich den Fuhrlohn von 10,50 Euro kassieren wollte, schaute ich plötzlich in den Lauf einer Pistole. Ich hatte Todesangst“, schildert Taxler Halili Y. (35) und gesteht leise: „Die Angst ist heute noch da.“ Aber trotz der bedrohlichen Situation handelte der Taxifahrer couragiert, als der Bewaffnete Geld und Auto forderte.

„Ich brauche doch mein Taxi“, bettelte das Opfer und besänftigte den Räuber mit 100 Euro. Dann fuhr Y. wieder in Richtung Flughafen, den überrumpelten Räuber auf der Rückbank. Der Taxler stoppte beim General Avitation Center, als er eine Streife sah. Und servierte den Polizisten den Räuber quasi auf dem silbernen Tablett.

"Es war eine Verzweiflungstat“

„Die Waffe war ungeladen und ich hätte sie doch nie benutzt. Schon auf der Rückbank habe ich mir gedacht: Was mache ich da eigentlich? Es war eine Verzweiflungstat“, beteuert B. Und wieder kontert die Richterin scharf: „Sie haben mit der Waffe hantiert, das kann man nicht verharmlosen.“

Der bislang unbescholtene B. wird wegen schweren Raubes zu einer fünfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt (nicht rechtskräftig).