Lebenslang für Neulengbacher nach Mord an Freundin

Aus dem Nichts tötete ein 66-jähriger Pensionist seine schlafende Lebensgefährtin, mit einem Maurerfäustel und einem Messer. Vor Gericht ist er geständig, er muss lebenslang ins Gefängnis. Das Urteil ist rechtskräftig.

Stefanie  Marek
Stefanie Marek Aktualisiert am 17. September 2021 | 12:14
Angeklagtem droht lebenslange Freiheitsstrafe
Angeklagtem droht lebenslange Freiheitsstrafe
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Der Mann auf der Anklagebank ist unscheinbar, fast farblos. Nicht das geringste Vorzeichen soll es gegeben haben und doch hat er Ende April seine langjährige Lebensgefährtin brutal ermordet. Während der Staatsanwalt berichtet, was in jener Nacht passierte, zeigt das Gesicht des Mannes keine Regung. 

Als er die Fragen des vorsitzenden Richters beantwortet, ist seine Stimme ruhig, er spricht, als würde er über das Wetter reden. Einzig, als er erzählt, wie sehr er sich im Alltag immer wieder über seine Freundin ärgerte, wird seine Stimme eine Spur aufgeregter. „Sie hat mir die Luft zum Atmen genommen. Ich hatte keinen Platz mehr, weil sie überall ihre Sachen verteilt hat“, sagt er.

Dazu kam die ständige Eifersucht, weil sie sich angeblich immer wieder mit anderen Männern traf. „Herzerl in den Augen hat sie gehabt und gelacht hat sie, als ich gesagt habe, ich will mich trennen.“ All das ist keine Entschuldigung für die Tat, sagt seine Verteidigerin und bittet die Geschworenen aber, sich die Umstände der Tat anzuhören. Ihr Mandant habe nicht geplant, seine Freundin zu töten.

Mord war nicht geplant

Was ist passiert? In der Nacht von 21. auf 22. April schreckt der 66-Jährige plötzlich aus dem Schlaf hoch. Seine Freundin legt sich zu ihm ins Bett, durch die Geräusche war er wachgeworden – wieder einmal. Der Mann, der unter Schlafstörungen leidet, ärgert sich. Als seine Freundin schläft, beschließt er, „ihr zu zeigen, wie es ist, wenn man aus dem Schlaf gerissen wird.“ 

Er nimmt ein Maurerfäustel (einen schweren Hammer) aus dem Nachttisch, wo der Hobby-Handwerker seit Jahren einiges an Werkzeug verstaut, und will sie damit eigentlich nur an der Schulter anstupsen, wie er vor Gericht sagt. Es ist finster und er trifft sie am Kopf. „Dann ist es in mir explodiert“, sagt der Mann rückblickend. Nach diesem ersten Schlag, schlägt er noch sechs Mal wuchtig zu, steht auf, holt ein Brotmesser aus der Küche und schneidet ihr zweimal den Hals durch. „Damit sie keine Schmerzen mehr hat“, sagt er. 

Danach versucht er sich selbst umzubringen und fügt sich mehrere Verletzungen zu. Das misslingt, er geht in die Küche und schläft ein. Am Nachmittag des nächsten Tages läutet er bei der Nachbarin. „Die Maria rührt sich nicht mehr“, sagt er, sein Gesicht ist voller eingetrocknetem Blut. Das Paar aus Wien war vor einigen Jahren nach Neulengbach gezogen. Nach außen wirkten beide sehr unauffällig und freundlich, sagen Nachbarn. Von Streit in der Beziehung bekam das Umfeld nie etwas mit.

Angeklagter wusste, was er tat

Der Staatsanwalt sieht eine „unglaubliche Brutalität und völlige Unerklärlichkeit der Tat“  und verweist auf den von Philosophin Hannah Arendt geprägten Begriff von der „Banalität des Bösen“: „Manchmal begeht jemand Taten, die im völligen Widerspruch zum bisherigen Leben stehen.“ Er fordert eine Strafe im Sinne der Generalprävention: „Morde an Frauen sind ein ständiges Thema. Wer ein Leben vernichtet, dessen Strafe kann nur massiv ausfallen.“

Laut psychiatrischem Gutachten gibt es keine Voraussetzungen für eine Einweisung in eine Anstalt für „geistig abnorme Rechtsbrecher“. Er hat keine schwere psychische Störung, keine Paranoia, es gibt kein Muster, keine voran gegangenen Vorfälle. Während der Tat wusste er, was er tat, war also zurechnungsfähig. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann wieder tötet, sei sehr niedrig, so der Gutachter.

Die Geschworenen entscheiden schließlich einstimmig: Er ist schuldig wegen vorsätzlichen Mordes an seiner Lebensgefährtin. Das Urteil: lebenslange Haft. Laut Verteidigerin wäre mit einer geringeren Strafe, etwa 20 Jahren Haft, auch das Auslangen gefunden gewesen, aber aufgrund der Grausamkeit der Tat hätten die Geschworenen sich für die höchste Strafe entschieden. Ihr Mandant nimmt das Urteil an, für ihn mache es keinen Unterschied mehr. Das Urteil ist rechtskräftig.