„Opfer wissen zu wenig Bescheid“. Der Opferunterstützungs-Verein "Weißer Ring" kämpft um besseren Zugang zu Klienten.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 17. Juni 2020 (05:43)
Für Opfer von Verbrechen gibt es Hilfe. Wichtig ist, dass sie wissen, wo.
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Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind, wissen zu wenig über ihre Rechte und über Unterstützungsmöglichkeiten Bescheid. Das ist eine Bilanz, die der Opferunterstützungs-Verein Weißer Ring über 40 Jahre nach seiner Gründung ziehen muss.

Sigrid Fritz ist für den Weißen Ring in Niederösterreich im Einsatz.
Jürgen Wagner

Dabei wäre es ganz einfach: Es bräuchte lediglich eine passende gesetzliche Grundlage, damit Betroffene sofort von der Polizei an Unterstützungseinrichtungen vermittelt werden können. „Es ist schwer auszuhalten, wenn man weiß, wie einfach es sein könnte“, sagt Udo Jesionek, Präsident des Weißen Ringes. NÖ-Betreuerin Sigrid Fritz bedauert, dass es die gesetzliche Verpflichtung der Polizei, Opfer über Hilfestellungen zu informieren, nicht mehr gibt.

In Niederösterreich hat der Verein im Vorjahr 95 Fälle betreut, 54 davon mit Prozessbegleitung. Eine wichtige Aufgabe, denn Opfer von Verbrechen oder deren Angehörige werden nicht nur beraten, sondern auch bei Gericht betreut und begleitet. In Notfällen gibt es auch finanzielle Unterstützung.

2019 gab es österreichweit 12.890 Anrufe am Opfer-Notruf (siehe Infos unten), das sind im Schnitt knapp 30 Anrufe pro Tag. 1.770 Klienten wurden in der Opferunterstützung intensiv betreut, 80 Prozent davon haben sich erstmals gemeldet; in den anderen Fällen handelt es sich um eine Fortsetzung der Betreuung.

Jene Klienten, die sich beim Weißen Ring 2019 neu gemeldet haben, sind vorrangig mit Delikten gegen Leib und Leben konfrontiert (47%), mit strafbaren Handlungen gegen fremdes Vermögen (19%) sowie gegen die Freiheit (18%). Die Zahl der Neumeldungen insgesamt geht über die Jahre aber zurück, und das ist ein schlechtes Zeichen, denn es bedeutet, dass viele Opfer ihre Rechte nicht kennen.