Wenn das Wild wechselt. Wer Wild anfährt, muss das sofort melden. Tote Tiere dürfen auch nicht mitgenommen werden.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 26. September 2017 (02:00)
Shutterstock.com, Claude Waldeshausen
Die Rothirsche haben gerade Brunftzeit. Daher ist entlang von Landstraßen im Straßenverkehr derzeit besondere Vorsicht geboten.

Morgengrauen. In Gedanken nicht auf der Straße, sondern schon längst in der Arbeit. Plötzlich ein lauter Krach. Blut auf der Windschutzscheibe. Auf der Straße windet sich ein Reh im Todeskampf.

Szenarien wie dieses passieren derzeit in Niederösterreich fast täglich. „Herbstzeit ist Brunftzeit des Rotwildes“, erklärt Eschenaus Hegeringleiter Karl Teicher. Dann sucht das Wild Paarungspartner und quert vermehrt auch Straßenzüge.

„Wer ein verletztes oder totes Wild einfach mitnimmt, begeht den Tatbestand der Wilderei.“Peter Lebersorger, Generalsekretär des NÖ Landesjagdverbandes

Vorsicht ist aber das ganze Jahr über geboten, wenn Reh, Schwarzwild oder auch Niederwild die Fahrbahnen kreuzt. „Unsere Studien haben gezeigt, dass etwa 80 Prozent der Autofahrer ganz unbewusst erwarten, dass Wildtiere nur von rechts auf die Fahrbahn springen. Tatsächlich quert das Wild von beiden Seiten“, informiert Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. „Im Falle des Wildwechsels Ruhe bewahren, umsichtig bremsen, abblenden und hupen“, rät er. Ausweichmanöver können tödliche Folgen für die Fahrzeuginsassen haben.

Wilke, privat
Peter Lebersorger, Generalsekretär des NÖ Landesjagdverbandes, warnt vor falsch verstandener Tierliebe, angefahrenes Wild selbst retten zu wollen.

Wie verhält man sich korrekt, wenn ein totes oder verletztes Tier auf der Fahrbahn liegt oder verwundet in den Wald geflüchtet ist? „Die Gefahrenstelle muss abgesichert und die Polizei gerufen werden. Bei einem Wildschaden besteht nach der Straßenverkehrsordnung unverzügliche Verständigungspflicht“, sagt der Generalsekretär des NÖ Landesjagdverbandes, Peter Lebersorger. „Wer ein verletztes oder totes Wild einfach mitnimmt, begeht den Tatbestand der Wilderei“, warnt er.

Keinesfalls sollte man sich einem verletzten Tier nähern. „In Todesangst versetzte Wildtiere können eine im Umgang nicht sachkundige Person schwer verletzen“, sagt Heinz Heistinger, Präsident der NÖ Tierärztekammer.

Im Rahmen des Polizei-Pilotprojekts „Gemeinsam sicher mit der Jägerschaft“ im Bezirk Lilienfeld dürfen nun eigens befugte Jäger auch außerhalb ihres Revieres verletztes Wild erlösen, wenn der Revierjäger gerade nicht greifbar ist.