Wenn im Wald Flammen wüten. NÖ ist stark von Waldbränden betroffen. Was die Ursachen dafür sind und wie die Feuerwehr darauf reagiert.

Von David Brandl. Erstellt am 03. August 2021 (07:53)
440_0008_8142072_noe31chr_waldbrand_gutenstein_lfkdo_fis.jpg
Kilometerlange Relaisleitungen mit Tragkraftspritzen für die Löschwasserversorgung fordern von Feuerwehren bei Waldbränden, wie hier in Gutenstein, enorme Kraftanstrengungen.
Matthias Fischer

Seit Jahresbeginn rückten Niederösterreichs Feuerwehren bereits zu 41 Waldbränden aus. Dabei wurden rund 16 Hektar Waldfläche ein Raub der Flammen. Besonders der Süden des Landes mit seinen Föhrenwäldern zählt zu den Hotspots in Niederösterreich.

Obwohl die zahlreichen Waldbrand-Meldungen in den vergangenen Wochen einen Negativrekord vermuten lassen, liegt Niederösterreich heuer bislang im Schnitt der letzten zehn Jahre. „Weder die Anzahl noch die Gesamtbrandflächen von Waldbränden in Niederösterreich haben in den letzten Jahren merklich zugenommen", erklärt Mortimer Müller vom Institut für Waldbau an der Universität für Bodenkultur Wien.

Die Waldbrandverordnung gilt zurzeit in 17 niederösterreichischen Bezirken. Nicht nur offenes Feuer, sondern auch Rauchen und das Wegwerfen von Glasflaschen ist dort schon in Waldnähe strengstens verboten.

Besonders gefährdete Gebiete liegen in den Bezirken Neunkirchen und Wiener Neustadt mit den dortigen Föhrenwäldern. „Schwarzkiefern und ihre Nadeln haben einen hohen Harzanteil und sind damit leicht entzündlich“, erläutert Waldexperte Müller. Zudem bilden sie oft lichte Bestände, wodurch mehr Licht zum Boden dringt und mehr Wasser verdunstet. Gemeinsam mit mageren, wasserdurchlässigen Schotter- oder Kalkböden ergibt sich diese hohe Brandgefährdung.

Überdies entzündet sich in diesem Gebiet immer wieder Munition: Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges haben deutsche Einheiten Teile der Munitionsfabrik Föhrenwald wegen der heranrückenden Roten Armee gesprengt, erläutert der Marienseer Forstwirt Thomas Schenker. Die Phosphorspitzmunition, deren Metallmantel korrodiert, könne sich an der Luft selbst entzünden.

Klimaerwärmung und Wetterextreme lassen die Waldbrandgefahr steigen

„Große Trockenheit und Unwetter verursachen ein großes Gefährdungspotenzial", sagt Franz Spendlhofer, Kommandant des „Sonderdienstes Waldbrandbekämpfung“ des NÖ Landesfeuerwehrverbandes. Blitze, die an entlegenen trockenen Waldstellen einschlagen, können einen Waldbrand auslösen, der erst Tage später entdeckt wird. Glutnester glosen oft lange, bis sie durch Wind und trockenen Bo-den zu Waldbränden heranwachsen.

Rund 80 Prozent der Brände aber werden von Menschen verursacht, weiß Spendlhofer: „Die achtlos weggeworfene Zigarette ist noch immer eine der häufigsten Ursachen.“

„Noch ist der wirtschaftliche Schaden durch Waldbrände überschaubar“, sagt Forstwirt Schenker. In Zukunft rechnet er aber mit mehr Ausfällen für Forstwirte.

„Die achtlos weggeworfene Zigarette ist noch immer eine der häufigsten Waldbrand-Ursachen.“ Franz Spendlhofer, Kommandant des „Sonderdienstes Waldbrandbekämpfung“

Für Wissenschaftler Müller ist die aktive Bewusstseinsbildung ein wichtiges Mittel, um Waldbränden vorzubeugen. Etwa die Kampagne „Naturverstand“ der Land- und Forstbetriebe Österreich. Diese soll die Bevölkerung auf positive Weise für Achtsamkeit im Wald sensibilisieren.

Ein gutes Netz an Forststraßen ist wichtig, um Brände zu erkennen und rasch mit Einsatzkräften vorstoßen zu können, erklärt Forstwirt Schenker. Zudem habe er in seinem Wald Verdunstungsteiche angelegt, die im Brandfall auch als Löschwasserreservoir dienen. Denn Löschwasser ist besonders bei Bränden in unwegsamem Gelände rar. Darüber hinaus übt Schenker in seinem Waldgebiet regelmäßig mit den lokalen Feuerwehren, damit diese für den Ernstfall gut vorbereitet sind.

Reichen die Kräfte der örtlichen Feuerwehren nicht mehr aus, kann die lokale Einsatzleitung über die Landeswarnzentrale den Sonderdienst Waldbrandbekämpfung des NÖ Landesfeuerwehrverbandes alarmieren. Deren Kommandant Franz Spendlhofer befehligt zurzeit rund 230 Sonderdienstmitglieder. Diese durchlaufen eine zweistufige Ausbildung. So erlernen sie im Feuerwehr- und Sicherheitszentrum in Tulln in einem zweitägigen Modul die Grundlagen der Waldbrandbekämpfung.

Dies reicht von theoretischen Aspekten, vom Boden- bis zum Wipfelbrand, über Einsatztaktiken bis hin zur Handhabung von Löschrucksäcken oder Schanzwerkzeug (Überbegriff für Werkzeug wie Besen, Schaufeln oder Krampen). Die zweite Stufe der Ausbildung ist noch in Planung. Diese wird vermutlich in Allentsteig stattfinden. „Dabei sollen große Flächen abgebrannt werden und taktische Übungen durchgeführt werden können“, erklärt Spendlhofer.

Die Spezialausrüstung des Sonderdienstes soll bis Jahresende vollständig ausgeliefert sein. Stationiert werden die Einheiten in ganz Niederösterreich. „Jedes Viertel ist als eigener Zug ausgebildet. Jeder Zug hat zwei HLF2 (Hilfeleistungsfahrzeug, Anm.) und zwei Pick-ups und Quads, die bereits vorhanden sind“, heißt es vom Sonderdienstkommandanten. Die HLF2 sind speziell für den Waldbrandeinsatz ausgerüstet und geschützt. Die Pick-ups führen kleine Wassertanks, Schanzwerkzeug und Löschrucksäcke mit.

Der Feuerwehrsonderdienst kämpfte heuer bereits bei Waldbränden im Föhrenwald und in Gutenstein gegen die Flammen. Dabei arbeiteten die Kräfte am Boden mit dem Feuerwehrflugdienst und den Hubschraubern des Innenministeriums und des Bundesheers zusammen. Die besonderen Herausforderungen bei Waldbränden machen den Einsatz von Bodenkräften unabdingbar. Diese müssen auch noch Tage nach dem Brandereignis den Boden auf Glutnester kontrollieren.