ZAMG-Meteorologe im Gespräch: Mai ist nicht Sommer. Der Mai brachte rund 30 Prozent mehr Niederschlag als im vieljährigen Mittel und er war 2,3 Grad kälter als im Durchschnitt.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 02. Juni 2021 (05:47)
Quelle: ZAMG; NÖN-Grafik: Bischof; Fotos: stockfour, Arctic ice/Shutterstock.com

Alexander Orlik, Meteorologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), über frische Frühlingstemperaturen und den Klimawandel.

NÖN: Das Frühjahr 2021 fühlt sich extrem kalt an, ist das auch tatsächlich so?

Alexander Orlik: Ja, dies ist der kälteste Mai seit 1996, er liegt im unteren Mittelfeld. Es ist auch so, dass die Temperaturen seit Ende der 80er-Jahre um ein bis zwei Grad gestiegen sind, daher wirkt dieser Frühling so kalt.

Wie sieht es mit den Niederschlägen aus, sind die im Rahmen?

Orlik: Eigentlich ist dieses Frühjahr sehr trocken, erst seit Mitte Mai hat es mehr geregnet als im Durchschnitt. Der März und der April waren aber sehr trocken.

Wie ist der Ausblick für den Juni, bleibt es kühl?

Orlik: Tendenziell wird es jetzt schon allein wegen des Sonnenstandes wärmer werden. Der Mai ist ja generell ein Monat, der sich schwer tut, weil in der Großwetterlage viel passiert: Durch den rasanten Anstieg des Sonnenstandes erwärmt sich das Land, der Atlantik kommt mit dieser schnellen Erwärmung nicht mit. Durch den Temperatur-Unterschied zwischen Wasser und Land entstehen Tiefdruckgebiete, es strömt kalte Atlantikluft nach Europa.

Es ist also gar nicht ungewöhnlich, dass sich der Mai benimmt wie der April?

Orlik: Nein, im Allgemeinen ist das ein wechselhafter Monat, der nur ein wärmeres Niveau hat als der April. In den vergangenen Jahren waren wir sicher verwöhnt von April-Monaten, in denen es schon 30 Grad hatte. Aber grundsätzlich ist es eben so, dass der Sommer in Österreich noch nicht Mitte Mai beginnt.

Sagt das aktuelle Wetter irgendetwas über den Klimawandel aus?

Orlik: Nein, der Klimawandel ist nur über langfristige Beobachtungen feststellbar.

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