Wie lustig ist das denn?. Jux kann ein Strafdelikt sein. Psychotherapeutin Perner kennt Hintergründe, böse sein zu wollen.

Von Gila Wohlmann und Eva Hinterer. Erstellt am 01. November 2016 (04:55)
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Psychoanalytikerin Rotraud A. Perner: „Masken herunterreißen“.
Esther Crapelle/Atelier Mystiq

„Wie blöd kann man eigentlich sein?“ Die Worte eines verärgerten Obermallebarners beschreiben den momentanen Hype, sich als Horrorclown zu verkleiden und Mensch und Tier zu erschrecken, treffend. Dem Weinviertler ist am Donnerstagabend ein als Clown maskierter Mann vors Auto gesprungen; er landet mit dem Pkw im Straßengraben. Mit einer verletzten Reiterin endete eine Clown-Attacke im Bezirk Melk. Das Pferd stürzte, die 19-Jährige landete unsanft am Boden, der Clown flüchtete. Im Bezirk Bruck/Leitha war ein Clown mit einer revolverartigen Waffe unterwegs.

Diese vermeintlichen Späße können strafrechtliche Folgen haben, sagt Polizeisprecher Johann Baumschlager: „Im Fall in Bruck ermitteln wir wegen gefährlicher Drohung, im Fall Melk wegen des Imstichlassens einer verletzten Person.“ Der strafrechtliche Tatbestand der Nötigung läge durchaus schon vor, wenn sich die betroffene Person nur wegen des Clowns fürchtet.

Da die Clownsichtungen, ein Trend aus den USA, auch in NÖ täglich mehr werden, hat die Polizei die Präsenz verstärkt. „Wir kontrollieren rigoros, wer sich hinter den Masken verbirgt“, warnt Baumschlager, denn: „Viele Eltern begleiten deswegen auch jetzt vermehrt ihre Kinder, die die Horrorclowns in einer Zeit der multimedialen Vernetzung mitbekommen, zur Schule oder Kindergarten. Ich hoffe, dass dieser Wahnsinn nach Halloween bald aufhört.“ Auf Facebook gibt es mittlerweile eine öffentliche Gruppe, die gegen Horrorclowns vorgehen will: Clowns sighting Niederösterreich.

Gut und böse: links „Zauberclown Poppo“, hinter dem der Korneuburger Polizist Siegfried Krische steckt, rechts ein Gruselclown, wie derzeit öfter gesichtet.
privat; Jeff Cameron Collingwood/Shutterstock.com

Was hinter diesem momentanen Trend, andere zu erschrecken, steckt, weiß Psychotherapeutin Rotraud A. Perner. Frust sei ein Motiv, die eigene Unwichtigkeit zu überkompensieren und den Hass auf andere, denen es vermeintlich besser geht, z. B. Frauen, auszuagieren. Jemandem Angst zu machen oder ihn in Stress zu versetzen, sei jedenfalls eine gezielte Gesundheitsschädigung, sagt Perner.

Auf die Frage, ob Horrorclowns mit Maskierten im Fasching vergleichbar sind, die sich auch oft unmöglich benehmen, meint Perner, dass das nur bedingt so sei. Denn im Fasching werden vor allem sexuelle Tabus verletzt.

„Bei den Horrorclowns muss man damit rechnen, dass sie Nachahmungstäter der übelsten oder dümmsten Sorte sind – oder aber, dass die Situation entgleist.“

Die Unart, sich an der Angst anderer zu delektieren, nennt Perner „Alltags-Sadismus“. Unbedacht geben Menschen hier etwas weiter, was ihnen selbst angetan wurde, „und nennen das ,necken‘“. Wichtig sei, dass das Fehlverhalten Konsequenzen hat. Und dass darüber berichtet wird, „damit die Lust am Größenwahn, durch Maskierung vor Verantwortung geschützt zu sein, verloren geht. Masken kann man herunterreißen!“