Lehrer (64): „Ich will weiter arbeiten, darf aber nicht“

Erstellt am 27. Juli 2022 | 05:08
Lesezeit: 3 Min
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Technisch fit und voll Energie: Nicht alle Lehrer haben mit 65 Jahren genug von der Schule.
Foto: privat
Siegenfelder kritisiert, dass er trotz Personalnot mit 65 nicht mehr unterrichten darf. In NÖ arbeiten zehn Pädagogen im Pensionsalter.
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Michael Pfleger hat Sport und Psychologie/Philosophie studiert. Nach Jahren in Gymnasien unterrichtete er in einer Mittelschule im Bezirk Baden. Im Oktober wird er 65 Jahre alt. Damit erreicht der Siegenfelder das Pensionsalter. Seine Kündigung per 31. Oktober hält er bereits in der Hand. Für Pfleger unverständlich: „Ich bin am Höhepunkt meiner Schaffenskraft und will weiterarbeiten. Ich darf aber nicht.“ In der Bildungsdirektion und im Ministerium hätte man ihm gesagt, dass er nur länger unterrichten könne, wenn die Schule darum ansuche. Wegen einer schwierigen Vorgeschichte, rechnet er nicht damit und kritisiert, dass es Lehrern trotz Personalnot erschwert werde, länger zu arbeiten.

Ob eine Weiterverwendung in diesem Einzelfall Sinn macht, müssen die Verantwortlichen der Schule und Bildungsregion entscheiden. Die NÖN-Recherche zeigt jedoch, dass Pfleger nicht der Einzige mit diesem Anliegen ist.

Erst vor einigen Wochen nannten Bildungsminister Martin Polaschek und Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister die Weiterbeschäftigung von Pädagogen im Pensionsalter als Maßnahme gegen die Personalnot. Die Masse bilden die aber nicht, wie sich nun zeigt. Zurzeit unterrichten in NÖ nur zehn Menschen, die älter als 65 sind. Die Juristen der Bildungsdirektion prüfen zurzeit, wie man das Weiterbeschäftigen von pragmatisierten Lehrern im Ruhestands-Alter vereinfachen könnte.

In Massen will man Pädagogen jenseits der 65 aber ohnehin nicht weiterzubeschäftigen. Eingesetzt werden sollen sie nur in Ausnahmen – wenn in ihrem Fach oder der Region dringender Bedarf herrscht oder sie als besonders herausragend aufgefallen sind.

Ruf nach Zulage für Lehrer über 65

Pfleger versteht die Vorgehensweise nicht. „Es soll niemand länger arbeiten müssen. Aber es soll jeder dürfen“, findet der 64-Jährige. Er wünscht sich eine Gesetzesänderung: Wenn Lehrer mit Abschlägen früher in Pension gehen dürfen, sollten sie mehr Pension bekommen, wenn sie länger arbeiten.

Landesrätin Teschl-Hofmeister betont, dass an allen Schrauben gedreht werde, um dem Lehrermangel entgegenzuwirken. „Die Mithilfe erfahrener Pädagogen hilft sehr.“ Für die Bewältigung der Personalnot braucht es aus ihrer Sicht aber vor allem eine Verkürzung der Ausbildung.

Die NEOS, denen Pfleger das Problem schilderte, kritisieren die Hürden für potenzielle Länger-Arbeiter. Zudem fordert Landessprecherin Indra Collini Vereinfachungen für Schul-Quereinsteiger.