Wohin mit dem radioaktiven Müll?

In Seibersdorf (Bezirk Baden) wird der Abfall gelagert. 2045 soll er in ein Endlager überführt werden.

Verena Huber Erstellt am 06. Oktober 2021 | 04:53
In 200-Liter-Fässern wird Atommüll in Seibersdorf gelagert.
In 200-Liter-Fässern wird Atommüll in Seibersdorf gelagert.
Foto: NES GmbH

Da in Österreich nie ein Atomkraftwerk in Betrieb genommen wurde, fallen keine starkradioaktiven Stoffe an. Schwach- und mittelradioaktive Abfälle entstehen aber hierzulande dennoch. Und zwar in der Medizin, Industrie und Forschung. Rund 300 Tonnen Rohabfälle gehen pro Jahr hervor. Gesammelt und gelagert werden diese in Seibersdorf (Bezirk Baden).

Im Zwischenlager der Nuclear Engineering Seibersdorf (NES) GmbH wird der strahlende Abfall in eine chemisch und physikalisch stabile Form gebracht. Danach wird er dicht in 200-Liter-Fässer eingeschlossen. „Dadurch sind die Abfälle sicher und längerfristig lagerfähig“, erklärt der NES-Geschäftsführer Roman Beyerknecht. Die gelben Fässer wurden früher stehend, dicht an dicht gestapelt im Lager untergebracht.

Seit der laufenden Modernisierung ab 2009 liegen sie horizontal auf einem eigens dafür entwickelten Regalsystem. Zwischen den Regalzeilen sind Gänge. So könne jedes einzelne Fass jederzeit inspiziert und kontrolliert werden, sagt Beyerknecht. Gemacht werde das alle ein bis fünf Jahre. Vorher sei es nur sehr eingeschränkt und mit großem Aufwand möglich gewesen, meint er weiter. Zudem sind heute die Lagerhallen klimatisiert. Um das Risiko einer Korrosion zu senken, werde eine Mindesttemperatur von zehn Grad Celsius und maximal 60 Prozent Luftfeuchtigkeit eingehalten.

So stehen die Fässer bereit für eine Überführung in ein Endlager, das es noch nicht gibt.

Das ungelöste Problem der Endlagerung

„Während diese Zwischenlagerung in Österreich sicher und streng geregelt ist, wurde es in der Vergangenheit verabsäumt, die Frage der Endlagerung zu lösen“, heißt es seitens des Klimaschutzministeriums. Die Endlagerung des Atommülls habe aber oberste Priorität. Daher wurde am 10. März ein 21-köpfiger Entsorgungsbeirat einberufen. Er bestehe aus Wissenschaftlern sowie Vertretern aus der Zivilgesellschaft, NGOs, Bund und Länder. Sie würden laufend Entsorgungsoptionen evaluieren und einen Zeitplan sowie Meilensteine definieren. Das übergeordnete Vorhaben sei jedenfalls klar: „Ziel ist es, die radioaktiven Abfälle 2045 in ein Endlager zu überführen.“