Ausgemustert„Uns sind die Hände gebunden“. Immer mehr 18-Jährige sind untauglich. Das spürt auch das Rote Kreuz.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 06. Februar 2019 (04:25)
Weingartner-Foto
Symbolbild

Die Zahl der Grundwehrdiener ist nicht nur auf geburtenschwache Jahrgänge zurückzuführen. Immer mehr junge Männer sind untauglich. Das merkt man, wie TÜPl-Kommandant Konstantin Lütgendorf berichtet, auch am Truppenübungsplatz (TÜPl) Allentsteig, wo das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 4, zu dem auch Horn gehört, stationiert ist. Auch bei vielen tauglichen Rekruten, die ihren Dienst an der Waffe absolvieren, sei eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit zu sehen.

Bundesheer/H. Minich
Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.

„Haltungsschwierigkeiten und Übergewicht sind in den letzten Jahren deutlich mehr geworden“, führt Lütgendorf aus. Es gebe Männer, die von körperlich anstrengenden Aktivitäten ausgenommen sind. „Bei gewissen Sachen werden Grundwehrdiener entbunden“, bestätigt Andreas Hausleitner, Kommandant der Radetzky-Kaserne in Horn. „Dann ist es unsere Pflicht, dem entgegenzuwirken und die Burschen wieder fit zu kriegen“, erklärt Lütgendorf. Einen Engpass verzeichnet Allentsteig aber nicht, „da wir kein riesiger Rekrutenbetrieb sind.“

„Wir sollten jungen Menschen den Weg für einen Zivildienst mit dieser überholten Tauglichkeitssystematik nicht versperren!“Josef Hager

Hat das Rote Kreuz mehr Probleme? Wer nämlich untauglich ist, darf kein Zivildiener sein. Das spürt die Rotkreuz-Bezirksstelle in Horn. Zwei Zivildiener-Plätze sind noch im April frei, der Monat Juni ist noch ganz offen. Sechs junge Erwachsene können jeweils im Jänner, April, Juli und Oktober ihren Dienst antreten. „Das Warum kriegen wir aber nicht mit.“

Bei einem Teil werde die Untauglichkeit zutreffen. „Aber uns sind da die Hände gebunden“, sagt Bezirksstellengeschäftsführer Martin Amon. Dass immer mehr Einrichtungen Zivildienst-Stellen anbieten können, gehe ebenso zulasten der Organisation: „Früher hat’s nur das Rote Kreuz gegeben. Das tut schon weh.“

Das Pflege- und Betreuungszentrum in Eggenburg hat vier Zivildiener. „Wir sind voll und haben Nachmeldungen“, ist Direktorin Brigitte Grünsteidl zufrieden. Sie spüre zwar, dass die Zahl grundsätzlich zurückgehe. „Aber nicht so drastisch, wie ich’s in den Medien lese.“ Besorgt ist Arbeiterkammer-Vizepräsident Josef Hager, wenn er sich die Österreich-Zahlen aus 2017 ansieht.

Militär-KDO NÖ; Fotos: RK NÖ/Schodritz; Getmilitaryphotos/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

10.204 von 38.840 Stellungspflichtigen haben die Mindestvoraussetzungen nicht erfüllt. „Das sind mehr als 26 Prozent.“ Er fragt sich, ob wirklich alle auch für den Dienst an der Menschlichkeit untauglich sind. „Ich bin mir sicher, dass wir jungen Menschen nicht den Weg für einen Zivildienst mit dieser überholten Tauglichkeitssystematik versperren sollten!“

Manche finden Gefallen an der Arbeit. Die Mehrheit der Zivildiener bleibt laut Amon dem Rotkreuz-Dienst zumindest einige Jahre erhalten. Grünsteidl erzählt von zwei Zivildienern, die als Pflegeassistenten arbeiten wollen. Sie hat zudem eine Idee, wie Untaugliche dennoch Dienst an der Menschlichkeit leisten können: mit dem „Freiwilligen Sozialen Jahr“.

Die 18-Jährigen arbeiten zwar zehn statt neun Monate, sind aber ohne Einrückungstermin nicht an gewisse Zeiten gebunden. Das kann Ausbildungspläne hinauszögern. „Man verliert zu viel Zeit“, weiß auch Amon.

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