Zivildienst als Schritt zum Beruf. Wer für den Dienst an der Waffe nicht geeignet ist, hat auch keine Alternative.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 06. Februar 2019 (04:19)
Weingartner-Foto
Symbolbild

Peter Weigl ist bei der Rot-Kreuz-Bezirksstelle Mödling Zivildienst-Sachbearbeiter und will in das allgemeine Lamento wegen fehlender Zivildiener nicht einstimmen. „Wir haben vier Einrückungstermine im Jahr. Erfahrungsgemäß ist es beim April-Termin schwer, junge Leute zu bekommen.“

Weigl betont, dass die Ausbildung beim Roten Kreuz wichtig ist: „Das ist kein Absitzen des Zivildienstes, sondern eine Berufsausbildung. Sieben von neun Zivildiener entscheiden sich nach ihrer Zivi-Zeit dafür, weiter ehrenamtlich für uns tätig zu sein. Das ist für uns auch die Bestätigung, dass uns die Integration in den Dienstbetrieb gut gelingt.“

"Auch die meisten Ausbildungen enden im Sommer"

Dass der April-Termin schwierig ist, bestätigt auch Roman Aigner von der Rot-Kreuz-Stelle Brunn am Gebirge. „Aus Studentensicht mitten im Semester. Auch die meisten Ausbildungen enden im Sommer, ebenso wie Lehren. Danach möchten die meisten Bewerber gleich ihren Dienst ableisten. Wir in Brunn haben für April noch eine Stelle frei.“

NOEN

Ob es helfen würde, so wie von AKNÖ-Vizepräsident Josef Hager vorgeschlagen, junge Männer, die als untauglich von der Stellungskommission eingestuft wurden, trotzdem zum Zivildienst heranzuziehen?

Aigner meint dazu: „Es ist natürlich eine politische Entscheidung. Und wenn jemand den Eignungstest nicht schafft, warum soll er dann psychisch in der Lage sein, als Rettungssanitäter zu arbeiten oder körperlich so fit sein, um jemanden aus dem 3. Stock mit der Trage herunterzutragen.“

Zivildiener sind ein Pluspunkt

Elisabeth Grötzl vom Pflege- und Betreuungszentrum Vösendorf führt mit Zivildienern in spe Schnupperstunden durch, nach denen sich die jungen Männer entscheiden, im Pflegeheim zu arbeiten: „Ein Zivildiener darf keinen Dienstposten ersetzen. Sie sind ein großer Pluspunkt für unsere Bewohner. Sie sind dafür da, um die Bewohner zu unterhalten, die Zeit zu vertreiben. Im Moment sind von drei Plätzen aber nur zwei besetzt.“

Auch bei der Dorfgemeinschaft Breitenfurt – sie kümmert sich um behinderte Menschen – sind im Moment nur vier von sechs Zivildienstplätzen besetzt. Karin Hinterleitner, für die Zivildiener verantwortlich, betont: „Wir bekommen die meisten Zivildiener über die Zivildienst-Serviceagentur zugewiesen. Wir versuchen, den Zivildienern zu vermitteln, was sie bei uns erwartet. Der Wille uns zu unterstützen muss vorhanden sein, dann funktioniert es auch.“

"Es war schön, eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen"

Für April ist erst ein Platz vergeben, und Hinterleitner „würde es sehr schade finden, keine Zivildiener zu haben.“ Frischen Wind bringen Zivildiener auch in das SOS Kinderdorf Wienerwald Hinterbrühl. Hier hat die Erfahrung gezeigt, dass es schon so manchen Zivildiener wieder zurück in das SOS Kinderdorf gezogen hat, um hier eine sozialpädagogische Ausbildung zu machen, so wie Markus Denk. Er ist in einer Jugend-WG von SOS-Kinderdorf für 25 Stunden die Woche ,Sozialpädagoge in Ausbildung’ und besucht parallel dazu das Bundesinstitut für Sozialpädagogik in Baden.

Das Warum erklärt er so: „Es war schön, eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen und ihre tolle Entwicklung zu sehen. Außerdem konnte ich meine privaten Interessen wie Fußball spielen in die Arbeit einfließen lassen.“

Umfrage beendet

  • Sollen Untaugliche Zivildienst machen dürfen?