Bezirk Wiener Neustadt

Erstellt am 12. Februar 2019, 04:47

von Bettina Kreuter

Praktische Ärzte: Schmerzgrenze ist erreicht. Im nördlichen Teil des Bezirks ist aktuell ein akuter Mediziner-Mangel zu spüren.

Lydia Schuster ist seit November 2018 praktische Ärztin in Eggendorf. Sie schätzt den persönlichen Zugang zu ihren Patienten am Land.  |  Lang

Die Zahlen der Gebietskrankenkasse sprechen eine andere Sprache als die Situation in den Wartezimmern der praktischen Ärzte im Bezirk Wiener Neustadt. Denn von den 48 Planstellen – davon sind sieben Gruppenpraxen – mit 56 Ärzten ist nur eine unbesetzt. Diese liegt allerdings in Sollenau, der einwohnerstärksten Gemeinde im Bezirk (siehe S. 31). Seit Juni warten die Patienten hier auf den zweiten Kassenarzt. „Das Problem sind die Hearingtermine der Ärztekammer. Gott sei Dank haben wir noch eine Ärztin im Ort“, sagt SPÖ-Bürgermeister Stefan Wöckl.

Mit der krankheitsbedingten Pensionierung der Gemeindeärztin im Nachbarort Matzendorf spitzt sich die Lage im Bezirk Nord/Ost zu (siehe S. 31). Die Patienten stehen entweder bis auf den Parkplatz des Gemeindezentrums Schlange, um den Arzt in Matzendorf zu sehen, oder sie suchen sich Alternativen. „Die Kapazitäten unserer beiden Ärzte sind enden wollend. Die Patienten bleiben auf der Strecke, weil sich Ärztekammer und Gebietskrankenkasse nicht schnell entscheiden können“, ist SPÖ-Bürgermeister Walter Kahrer aus Felixdorf überzeugt. Somit weichen die Leute bis nach Neustadt aus: „Die Patienten kommen auch schon aus Matzendorf zu mir“, sagt Bezirksärztevertreterin Martina Dinhobl.

"Interesse für die Allgemeinmedizin sollte bereits im Studium gefördert werden"

Das Problem beginne schon im Kleinen, wenn man zum Beispiel nur eine Überweisung oder ein Rezept braucht. 17 Kassenärzte ordinieren in Wiener Neustadt. Um die Situation zu verbessern, seien laut Dinhobl mehrere Maßnahmen erforderlich: Das beginne bei mehr Studienplätzen und ende bei einer Tarifanpassung der Ärzte für Allgemeinmedizin an die Fachärzte, so Dinhobl: „Das Interesse für die Allgemeinmedizin sollte bereits im Studium gefördert werden. Es ist eine sehr interessante, abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der man Menschen von der Geburt bis ins hohe Alter in Gesundheitsfragen behandeln und begleiten kann.“

Dem stimmt auch Lydia Schuster zu. Sie ist seit November praktische Ärztin in Eggendorf. Die Praxis war über ein Dreivierteljahr unbesetzt: „In Eggendorf habe ich einen persönlicheren Zugang zu meinen Patienten als in größeren Städten wie in Wien.“ Finanziell sei es nicht einfach, in kleinen Gemeinden eine Ordination zu eröffnen. Von Bürgermeister und Gemeinde habe sie aber viel Unterstützung bekommen.

Dieser Aufgabe ist sich auch SPÖ-Bürgermeister Andreas Knabel aus Waidmannsfeld bewusst. Nach etwas über zwei Jahren hört hier die Ärztin Iris Pake wegen Schwangerschaft auf. Schon diese Woche gibt es ein Gespräch mit einem Nachfolger.

„Als Gemeinde muss man etwas bieten. Die Ordination wurde von uns um 30.000 Euro adaptiert, ist barrierefrei und hat Parkplätze. Die Praxiszeit konnte von 20 auf zehn Stunden reduziert werden“, erklärt Knabel gegenüber der NÖN.

Neben Gesprächen mit Gebietskrankenkasse und Ärztekammer schaltete der Ortschef die Stellenausschreibung auch auf der Website und dem Facebook-Auftritt der Gemeinde.

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