Rotes Kreuz sucht: Untaugliche fehlen als Zivildiener. Plätze für Zivildiener sind in Wiener Neustadt frei. Feuerwehr ist voll.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 05. Februar 2019 (04:09)
Bundesheer/H. Minich
Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.Harald Minich

Immer mehr junge Männer sind untauglich. Das wirkt sich nicht nur auf das Bundesheer, sondern auch auf den Zivildienst aus. Denn: Wer untauglich ist, wird auch nicht zum Dienst bei sozialen Einrichtungen zugelassen.

Somit werden auch noch Zivildiener gesucht, wie beim Roten Kreuz in Wiener Neustadt Zivildienstverantwortlicher Mato Brcinovic führt das zurück auf: „Aufgrund eines geburtenschwachen Jahres habe ich beim Aprilturnus noch sechs Plätze frei. Insgesamt suche ich elf Zivildiener für Wiener Neustadt und einen für Ebenfurth.“ Er lädt Interessenten ein, sich bei ihm auf der Rotkreuz-Stelle in Wiener Neustadt zu melden.

Eines ist klar: ohne Eigenwerbung geht nichts, auch nicht beim Gewinnen junger Männer für den Grundwehr- oder Zivildienst. „Wir werben um unsere Soldaten wie jedes andere Unternehmen um seine Mitarbeiter“, stellt Reinhard Janko, Kommandant des Panzergrenadierbataillons 35 in Großmittel fest.

"Viele Zivildiener kommen durch Mundpropaganda zu uns"

Genauso macht es auch das Rote Kreuz: „Viele Zivildiener kommen durch Mundpropaganda zu uns. Wir machen aber auch laufend Werbung, unter anderem durch unser Rolling Board zur Straße hin“, so Günther Leser, Organisationsleiter der Bezirksstelle Sollenau-Felixdorf. Zwei Zivildiener sind immer zu besetzen. Erst 2020 gibt es wieder Platz.

Genauso voll ist die Feuerwehr Wiener Neustadt: „Pro Jahr nehmen wir 16 Zivildiener auf. Auch für 2020 haben wir schon neun Anmeldungen, für 2021 vier“, so Feuerwehrkommandant Josef Bugnar.

Militär-KDO NÖ; Fotos: RK NÖ/Schodritz; , Getmilitaryphotos/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Der beliebteste Beginntermin ist jener im Oktober, dann wenn Matura und Ferien vorbei sind. Mato Brcinovic geht in seiner Arbeit auf: „Es gibt nichts Schöneres, als mit den Jungen zu arbeiten.“ 90 Prozent der Zivildiener würden beim Roten Kreuz nachher als Ehrenamtliche in den Rettungsdienst wechseln.

Der Werdegang vom Zivildienstverantwortlichen selbst war anders, denn Brcinovic war Grundwehrdiener in der Kaserne Großmittel. Hier meint Kommandant Reinhard Janko, dass die Auswirkungen der Untauglichkeit bei der Zuteilung der Kontingente zu spüren sei: Gab es früher mehr Zuteilungen an Grundwehrdienern für Vollkontingente (sprich Einsatzsoldaten), so sind es heute mehr für Überbrückungskontingente (Sanitäter, Kraftfahrer, Wachen). Diese werden mit anderen Aufgaben betraut.

AK-Vize fordert Gesetzesänderung

Auch an der MilAk spüren die Ausbildner, dass die Tauglichkeit sinkt: „Wir bekommen das Kontingent, das wir brauchen. Allerdings gibt es mehr Einschränkungen bei der Tauglichkeit wie Pollenallergie oder beim Tragen schwerer Lasten“, sagt Presseoffizier Thomas Lampersberger.

Arbeiterkammer-Vizepräsident Josef Hager plädiert für eine Änderung im System: Nicht alle, die für das Heer untauglich sind, sollten automatisch auch für den Zivildienst ausfallen: „Ich frage mich: Sind wirklich alle, die bei der Stellung untauglich sind, den Dienst an der Waffe zu leisten, ebenso untauglich einen Dienst an der Menschlichkeit, z.B. im Rettungsdienst, zu leisten? Derzeit ist die Regelung: Wer untauglich ist, darf auch keinen Zivildienst ableisten. Und das ist in der heutigen Zeit absolut nicht zu verstehen.“

Hager fordert eine Gesetzesänderung, um „eine zukünftige und für unser gewohnt sehr gutes Rettungssystem gefährliche Dauerproblematik im Zivildienst zu verhindern“.

Umfrage beendet

  • Sollen Untaugliche Zivildienst machen dürfen?