Zu dick für Waffe und Zivildienst?. Die NÖN wollte wissen, ob man steigende Anzahl der Untauglichen bemerkt.

Von Markus Füxl. Erstellt am 06. Februar 2019 (04:00)
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Symbolbild

Immer mehr untaugliche junge Menschen, dazu geburtenschwache Jahrgänge: Haben Bundesheer und Zivildienststellen im Bezirk Zwettl ein Problem, zu wenige Männer zu bekommen?

Am Truppenübungsplatz Allentsteig merke man zwar einen Rückgang der tauglichen Rekruten, einen Engpass gäbe es laut TÜPl-Kommandant Konstantin Lütgendorf aber nicht: „Da wir kein riesiger Rekrutenbetrieb sind, haben wir grundsätzlich genug junge Männer. Trotzdem brauchen wir eine gewisse Anzahl, um unsere Dienste abzudecken.“

„Selbst wenn einer kein Krieger ist, kann er ja trotzdem in einer Küche oder einem Büro arbeiten.“Rotes Kreuz Bezirksstellengeschäftsführer Manfred Ehrgott

Aber auch bei vielen tauglichen Rekruten, die ihren Dienst an der Waffe in Allentsteig absolvieren, sei eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit zu sehen: „Haltungsschwierigkeiten und Übergewicht sind in den letzten Jahren deutlich mehr geworden“, so Lütgendorf.

Selbst wenn die Männer tauglich sind, gibt es immer welche, die von körperlich anstrengenden Aktivitäten ausgenommen sind, etwa Teile der Grundausbildung, oder beim Sport. „Dann ist es unsere Pflicht, dem entgegenzuwirken und die Burschen wieder fit zu kriegen“, so Lütgendorf.

Militär-KDO NÖ; Fotos: RK NÖ/Schodritz; Getmilitaryphotos/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Spürbar ist der Rückgang an Tauglichen auch beim Roten Kreuz in Zwettl. „Man merkt gleichzeitig, dass die geburtsstarken Jahrgänge weniger werden“, sagt Bezirksstellengeschäftsführer Manfred Ehrgott. Er kritisiert die Regelung, nach welcher untaugliche junge Männer auch für den Zivildienst ausscheiden. „Wenn einer kein Krieger wird, kann er ja trotzdem in einer Küche oder einem Büro arbeiten.“

Selbst wenn jemand physisch eingeschränkt ist, etwa durch eine Sehschwäche, gäbe es auch beim Roten Kreuz genügend Tätigkeiten, so Ehrgott: „Dass einer dann gar nichts machen kann, glaube ich nicht. Der muss ja im späteren Leben auch noch etwas leisten!“ Der Bezirksstellenleiter des Zwettler Roten Kreuzes schlägt damit in die selbe Kerbe wie Arbeiterkammer-Vizepräsident Josef Hager, der im Zuge der NÖN-Recherchen in einer Presseaussendung meint: „Es gibt einen Unterschied zwischen Bundesheer- und Zivildienst-Tauglichkeit!“

Aktuell wird bei der Stellung eine der drei Stufen festgestellt: Tauglich, vorübergehend untauglich, oder untauglich. Eine weitere Abstufung, nach der festgelegt wird, ob und in welcher Form jemand entweder den Wehrdienst, oder den Zivildienst leisten kann, hält Manfred Ehrgott auf Nachfrage der NÖN für sinnvoll.

Bundesheer/H. Minich
Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.

Am Zwettler Standort der Gesellschaft für ganzheitliche Förderung und Therapie fehlen aktuell drei Zivildiener, so die Zuständige, Sonja Mayer. „Damit das ausgeglichen werden kann, müssen ständige Mitarbeiter ihre Stunden erhöhen.“

Um Zivildiener zu gewinnen, rührt Mayer die Werbetrommel auf Facebook und hofft auf Mundpropaganda ehemaliger Zivildiener. Auch sie hält eine Unterscheidung der Tauglichkeit für Bundesheer und Zivildienst für sinnvoll: „Viele, die einfach nur zu dick sind oder ein schlechtes Blutbild haben, fallen für uns automatisch weg.“

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