Flüchtlingszahl gesunken. Kaum Neu-Aufgriffe, deutlich weniger Quartiere und weiterhin engagierte Ehrenamtliche.

Von Josef Rittler, Adalbert Mraz, Stefanie Cajka, Nicole Frisch, Otto Havelka und Gerald Burggraf. Erstellt am 21. November 2018 (04:15)
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Paul Haschka, Obmann des Schwechater Vereins „Integrationslotsen“ (l.), und Deutschkurs-Leiterin Bettina Buben (r.) mit einigen Teilnehmern des Deutschkurses auf B1-Niveau, der im Sommer stattfand. Die Teilnehmer mussten zehn Prozent der Kosten, immerhin 50 Euro, selbst tragen.

BEZIRK Drei Jahre nach der großen Flüchtlingswelle ist im Bezirk in dieser Beziehung Ruhe eingekehrt. Als Grenzbezirk war die Polizei vor drei Jahren mit täglich zahlreichen Aufgriffen von ausgesetzten, teils auf der A4 herumirrenden, Flüchtlingen beschäftigt. Heute sieht die Situation ganz anders aus, wie Bezirkspolizeikommandantin Sabine Zentner betont. „Von Jänner 2018 bis jetzt gab es lediglich 39 Aufgriffe“, erläutert sie auf NÖN-Anfrage.

Ebenfalls deutlich gesunken ist die Anzahl der Asylwerber im Bezirk. Gab es 2015 sowie in den unmittelbaren Monaten danach zahlreiche Quartiere, so wurden einige davon mittlerweile schon wieder geschlossen. Darunter ist auch jenes in Hainburg, das im August seine Pforten schloss. In der Mittelalterstadt ist man darüber erfreut, denn die Erfahrungen waren nicht sonderlich gut, wie VP-Bürgermeister Helmut Schmid betont.

Statt der angekündigten Familien und Menschen mit besonderen Bedürfnissen seien ab 2015 vor allem Jugendliche einquartiert worden. Diese hätten ständig Probleme verursacht. „Die Polizei konnte das Heim nicht Tag und Nacht überwachen, von den zugesagten Security-Mitarbeitern habe ich dort nie einen gesehen“, war Schmid verärgert. Zudem konnte eine Neubelegung im Sommer verhindert werden. „Wir haben uns gegen die Neubelegung des Gebäudes ausgesprochen. Es ist in desolatem Zustand, Fenster sind eingeschlagen, die Räume sind abgewohnt und nicht bezugsfertig“, sagt Schmid.

Ebenfalls geschlossen ist das Containerlager an der ehemaligen Grenzkontrollstelle Berg. Es wurde bereits im September 2015 als erstes bezogen und Ende 2016 auch als erstes wieder stillgelegt. Von den Flüchtlingsfamilien, die ab 2015 in Mannersdorf untergebracht wurden, sind die meisten nach Wien gezogen. Lediglich eine Familie lebt noch im Pfarrhof.

Die Beruhigung der Lage bestätigt auch Helga Longin vom Verein „Unser Bruck hilft“. Sie betont vor allem die gute Integration vieler Asylwerber und -berechtigter im Bezirk. So spielen viele davon Fußball, haben Remunerantenjobs bei der Gemeinde und engagieren sich beim Roten Kreuz. Der Verein selbst ist jedoch nach wie vor für Asylwerber und -berechtigte da. „Wir helfen bei Behördenwegen, bei Fragen und Problemen. Oftmals hilft aber einfach schon ein Gespräch“, sagt Longin.

 Schwechater Lotsen für Leben in Österreich

 Rund 100 Flüchtlinge, circa jeweils die Hälfte Asylwerber beziehungsweise Asylberechtigte, sind derzeit in Schwechat untergebracht – bei der Pfarre am Zirkelweg, aber auch in den vom Arbeitersamariterbund betreuten Unterkünften in der Dreherstraße und in der Schlossgasse. Aktiv ist auch noch der Verein „Raum Schwechat hilft“.

In der Braustadt hat sich jedoch ein zweiter Verein gebildet: die Integrationslotsen um Obmann Paul Haschka. Der Verein will den Flüchtlingen den „Weg weisen“, wie schon der Name sagt. „Wir informieren in Kleingruppen oder Kleinveranstaltungen über das Leben in Österreich und die geltenden Werte wie etwa gleiche Rechte für Mann und Frau oder Religionsfreiheit“, erklärt Haschka. Zudem organisierte man im Sommer einen Deutschkurs auf B1-Niveau. Solche Kurse werden vom Land im Gegensatz zu den Basiskursen A2 und A1 gar nicht angeboten. Abgehalten hat ihn die Bruckneudorfer Trainerin Bettina Buben.

In Himberg ist das Asylquartier im ehemaligen Arbeiterwohnheim nach wie vor bewohnt und wird von der SLC Asylcare GesmbH betrieben. Manche der 2015 angekommenen Asylwerber warten immer noch auf einen Bescheid. Viele von ihnen kommen aus Quartieren, die geschlossen werden, weiß SLC-Geschäftsführer Christian Kogler. Die Tendenz sei aber stark rückläufig. Hatte die SLC vor drei Jahren noch 2.500 Asylwerber in rund 150 Quartieren versorgt, so sind es jetzt nur noch etwa 500 Asylwerber in 50 Quartieren.

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