Zivildiener: Mangel ist teurer Spaß. Die NÖN wollte wissen, ob man steigende Anzahl der Untauglichen bemerkt.

Von Franz Aschauer, Martin Kalchhauser und Isabel Schmidt. Erstellt am 05. Februar 2019 (05:32)
BilderBox.com, Erwin Wodicka
Symbolbild

Dass es immer mehr „untaugliche“ junge Menschen gibt, verschärft gerade angesichts der kommenden geburtenschwachen Jahrgänge die Situation im Bereich der Rekruten, aber auch der Zivildiener.

Bundesheer/H. Minich
Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.

Zwölf Zivildiener sollten beim Roten Kreuz Krems bei jedem der vier Termine – Jänner, April, Juni und Oktober – beginnen. „Derzeit haben wir erst fünf“, bedauert Geschäftsführer Manfred Türk. „Das ist eine Katastrophe. Denn die sitzen bei uns ja nicht untätig herum!“

Sie durch hauptberufliches Personal zu ersetzen, werde ein teurer Spaß, hofft Türk auf Hilfe der öffentlichen Hand. „Heuer ist die Situation extrem.“ Schon derzeit kann man beim RK Krems, wo immer drei Turnusse im Einsatz stehen, nur auf 31 (statt 36) Zivis zurückgreifen. Auch die 12 Euro pro Tag (Verpflegsgeld), die das RK zusätzlich zu den 339 Euro ZVD-Entgelt zahlt, sind offenbar nicht genug Anreiz, zur Rettung zu kommen.

Militär-KDO NÖ; Fotos: RK NÖ/Schodritz; Getmilitaryphotos/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Hans Ebner, Bezirksstellenleiter in Langenlois, bekommt auch im April seine drei Zivildiener: „Wir haben unter anderem auf Social Media die Werbetrommel gerührt. Aber auf Dauer ist die Sache wegen des Personalmangels nicht zu stemmen.“

Ebner ersetzt fehlende Zivis durch Teilnehmer am „Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ)“. Derzeit leisten es beim RK Langenlois ein Bursch (anstelle des Zivildienstes) und vier Mädchen ab. „Auch die ,FSJler‘ sind eine Kostenfrage, weil sie teurer sind, aber immer noch billiger als hauptberufliches Personal.“

Keine Zivildiener für SeneCura-Heime

Gar keine Zivildiener mehr haben seit einigen Jahren die beiden Kremser SeneCura-Pflegeheime. „Wir sind eine GmbH und bekommen deswegen keine mehr. Straffällige Jugendliche integrieren wir aber noch“, erklärt Heimleiter Claus Dobritzhofer. Nachgeweint hat er dem versiegten Zivildiener-Strom nicht. „Ich habe viel mit ihnen mitgemacht. Viele sind gekommen und gegangen, wann sie wollten. Es gab aber natürlich auch sehr fruchtbare Sachen.“

Die Ursache für die steigenden Untauglichkeitszahlen sieht Dobritzhofer in einem „gesamtgesellschaftlichen Problem“. Überfürsorgliche „Helikopter-Eltern“ würden ihre Kinder nicht mehr als selbstständige Leute erziehen, was sich negativ auf deren Zukunft auswirke. „Das erste Problem war aber die Reduktion der Turnstunden.“

Auswirkungen durch die Untauglichkeitsspirale zeigen sich auch bei der 3. Jägerbrigade, deren Stabsbataillon 3 und Pionierbataillon 3 in Mautern stationiert sind. Laut Öffentlichkeitsoffizier Hauptmann Christoph Habisohn ging die Zahl der Grundwehrdiener (GWD) in der Raab-Kaserne im Vergleich zum Vorjahr um rund 35 Prozent zurück. Derzeit seien 180 GWD in Mautern stationiert, bis Jahresende sollen noch 360 weitere Rekruten einrücken.

Bundesheer ruft Politik zum Eingreifen auf

Entgegenwirken könne man dem Rückgang durch „Schwergewichtbildung“, so Habisohn. Vor allem einsatzrelevante Funktionen sollen besetzt werden, weniger in der Systemerhaltung. Die Problematik müsse aber auch von der Politik aufgenommen werden. Eine Senkung der Musterungs-Kriterien sei hingegen nicht sinnvoll, da eine solche „Verwaschung“ weder für das Bundesheer noch für die GWD von Vorteil sei.

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