„Es wirkt, aber wie ein Placebo“. Von einem Verbot halten die NÖ Interessensvertreter im Medizinbereich nichts.

Von Eva Hinterer und Christine Haiderer. Erstellt am 11. Dezember 2018 (02:51)
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Ein angedachtes Verkaufsverbot homöopathischer Arzneimittel sorgt für Gesprächsstoff.

Die obersten Interessensvertreter von Patienten, Ärzten und Apothekern teilen die Forderung der Wiener Patientenanwältin nach einem Verkaufsverbot homöopathischer Arzneien in Apotheken nicht. Und sie haben durchaus keine Probleme damit, dass diese Arzneien eingesetzt werden. Eine bedingungslose Zustimmung der Interessensvertreter zur Anwendung homöopathischer Arzneien bedeutet das aber nicht.

NÖ Patientenanwaltschaft
Gerald Bachinger, Patientenanwalt für Niederösterreich.

„Es ist ein konsequenter Vorschlag, den ich nicht teile“, sagt Niederösterreichs Patientenanwalt Gerald Bachinger zur Aussage seiner Wiener Kollegin. „Ich bin Pragmatiker, ich weiß, dass man solche Forderungen schwer durchsetzen kann.“

Klar sei, dass evidenzbasierte Medizin nötig sei: Also eine Lehre auf Basis empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse. Eine solche Evidenz gebe es auch in der Homöopathie: „Homöopathie wirkt, aber wie ein Placebo.“ Was vermutlich eher wirke ist laut Bachinger die Zeit und die intensive Betreuung, die Ärzte, die mit Homöopathie arbeiten, in ihre Patienten investieren.

In den richtigen Händen kein Grund für Verzicht

Martin Wieland
Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer

NÖ Ärztekammerpräsident Christoph Reisner weiß von Kollegen, „dass die Homöopathie bei bestimmten Indikationen ihre Berechtigung hat.“

Dass die Mittel aus Sicht der Wiener Patientenanwältin verboten werden sollen, könne er nicht nachvollziehen. „Wir haben in der Ärztekammer ein eigenes Referat für Komplementärmedizin. Von Kollegen weiß ich, dass es Patienten gibt, die sehr gut darauf ansprechen. Wenn diese Mittel in Händen von verantwortungsvollen Ärzten sind und richtig angewandt werden, dann gibt es keinen Grund, warum wir darauf verzichten sollten.“

Stadtapotheke Gloggnitz
Peter Gonda, Präsident der NÖ Apothekenkammer.

Peter Gonda, Präsident der NÖ Apothekerkammer, sieht die Angelegenheit pragmatisch: „Homöopathie wird verlangt. Glaube lässt sich nicht verbieten. Wird Homöopathie in die Illegalität gedrängt, werden die Kunden von nicht wirklich gesundheitlich ausgebildeten Menschen versorgt werden. Der Apotheker erkennt gegebenenfalls die Grenze der Unvernunft.“ Diese Kontrolle fiele dann weg.

Allerdings: „Bei uns in der Apotheke machen Homöopathika nur zwei bis drei Prozent des Privatgeschäfts aus. Rechnet man auch die Arzneimittel, die mit der Krankenkasse abgerechnet werden hinzu, reden wir von weniger als einem Prozent des Umsatzes.“

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