Bezirk Krems: Derzeit ist keine Praxis frei. Entbürokratisierung ist Zauberwort für mehr Interesse an selbstständiger Arbeit als Arzt.

Von Martin Kalchhauser. Erstellt am 12. Februar 2019 (05:06)
Martin Kalchhauser
Peter Tschiesche, Allgemeinmediziner mit Ordinationen in Schönberg und Plank (im Bild mit seinem Patienten Gerhard Labner): „Teilweise gibt es von Seiten der Bürgermeister schon ein Wettbieten um die Ärzte!“

„Was die Kassenpraxen betrifft, sind wir gesegnet. Es gibt bei uns keine unbesetzte Stelle“, freut sich NÖGKK- Bezirksstellenleiter Manfred Kolar, in der Debatte um den Ärztemangel eine „Jubelmeldung“ abgeben zu können. 41 Allgemeinmediziner („Praktiker“) – 12 in der Stadt Krems, 29 am Land – 24 Fachärzte (23/1) und 19 (7/12) Zahnärzte sind bei den Kassen unter Vertrag.

Vergessen sind die Sorgen um die Besetzung der Rehberger Arztstelle (2017) und dass Spitz ohne medizinische Grundversorgung war, bis Ende 2018 mit Ferdinand Mayer ein Mediziner seine Arbeit für immerhin zehn Wochenstunden aufnahm.

„Früher war es fast Standard, dass man nach der Ausbildung eine Ordination eröffnete“, sieht Bezirksärztevertreter Thomas Kalmar (Allgemeinmediziner und Orthopäde) ein geändertes Bild des Arztberufs als eines der Probleme. Es gehe jedenfalls nicht nur ums Geld. „Viele sind verunsichert, etwa durch die bevorstehende Kassenreform, leiden unter der Reglementierung, müssen aber das volle finanzielle Risiko tragen.“

Bei null zu beginnen sei finanziell so gut wie nicht machbar. „Eine gute Alternative ist die Bildung einer Gruppenpraxis mit dem Nachfolger, da kann es einen harmonischen Übergang und eine lückenlose Versorgung geben.“ Bürokratie-Abbau (vor allem im IT-Bereich) wäre ein Ansatz. Hausapotheken seien „keine Goldgrube, aber Anreiz und vor allem Service für die Patienten, vor allem ältere, deren Mobilität sinkt“.

„Bürokratie nimmt jungen Kollegen Mut!“

In dieselbe Kerbe schlägt „Kamptaldoktor“ Peter Tschiesche, Vertreter der Allgemeinmediziner: „Angesichts der überhandnehmenden Bürokratie verlieren junge Menschen den Mut. Schade – denn es ist ein schöner Beruf!“ Allein heuer gebe es sechs Umstellungen im EDV-Bereich. „Die bringen Kosten, aber dem Patienten und dem Arzt nichts!“ Es gebe weniger Ärzte, die Menschen würden älter, und ihr Anspruchsverhalten sei höher. Eine Verschärfung bringe die „Verweiblichung der Medizin“. Frauen würden eher familienorientiert denken. „Zudem ist die Aufgabe finanziell nicht mehr extrem attraktiv“, so Tschiesche.

Lösungsansätze: Entbürokratisierung, höhere Honorare und vielleicht die Bildung von Gruppenpraxen mit Vorteilen bei Urlaub und Krankenstand.

Wie lange der aktuelle gesegnete Zustand der „Vollbesetzung“ in der Region anhält, ist ungewiss. Angeblich will eine Ärztin mit April aufhören – und Nachfolger drängt sich aktuell weit und breit keiner auf …