Bezirk Hollabrunn: „Zivildienst wird nie langweilig“. Obwohl die Zahl der Untauglichen steigt, hat Hollabrunn genug Zivis.

Von Michael Böck, Sandra Frank und Christian Pfeiffer. Erstellt am 06. Februar 2019 (04:52)
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APA (Symbolbild)

„Wir müssen auf Holz klopfen: Wir haben unsere Zivildiener und sind auch für das nächste Jahr schon fast ausgebucht“, sagt Günther Wiehart, Bezirksstellengeschäftsführer des Roten Kreuzes in Hollabrunn. Pro Einrückungstermin gibt es in der Bezirkshauptstadt sechs Stellen für Zivildiener. Diese Zahl ändert sich nicht, auch wenn sich mehrere „Zivis“ für Hollabrunn melden.

Auch wenn Hollabrunn gesegnet ist, weiß Wiehart: „Für den April-Termin sind noch 120 Plätze in Niederösterreich frei.“ Die Termine im Juli und September werden von den Schülern bevorzugt, zur Not begeistern sie sich auch für den Jänner, spricht der Geschäftsführer aus Erfahrung.

„Die Mundpropaganda funktioniert gut“

Einer, der seinen Zivildienst beim Hollabrunner Roten Kreuz verrichtet, ist Michael Fahn. Der 19-Jährige ist seit Oktober dabei und wusste bei der Musterung bereits, dass er Zivildienst beim Roten Kreuz machen will. „Weil ich auch bei der Feuerwehr bin, daher kannte ich das Rote Kreuz schon“, sagt der Sitzendorfer. Seine Freunde hatten vorher schon ihren Zivildienst beim RK abgeleistet und ihm positiv davon berichtet.

Dem Zivi gefällt es beim Roten Kreuz so gut, dass er wahrscheinlich als Ehrenamtlicher dabei bleiben wird. „Man erlebt jedes Mal neue Sachen, es wird nie langweilig“, meint der 19-Jährige. Das kann auch Wiehart bestätigen: „Die Mundpropaganda funktioniert gut, die Burschen sind untereinander gut vernetzt.“

Dass das Bundesheer seinen Ruf verbessern und vermehrt Werbung in den Schulen macht, sei beim Roten Kreuz spürbar: „Früher konnten wir Interessierte auf andere Dienststellen aufteilen, wenn bei uns nichts frei war. Jetzt entscheiden sie sich aber oft, stattdessen zum Bundesheer zu gehen“, beobachtet Wiehart.

Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.
Bundesheer/H. Minich

Einer, der in Hollabrunn fleißig die Werbetrommel für den Heeresdienst rührt, ist Herwig Graf. Er ist Presseoffizier in der Mistelbacher Bolfras-Kaserne, deren Einzugsgebiet sich über die Bezirke Mistelbach, Hollabrunn und Gänserndorf erstreckt. „Wir können uns nicht über zu wenig Grundwehrdiener beklagen“, sagt Graf im NÖN-Gespräch.

Die Mistelbacher Kaserne freue sich seit Jahren über eine Spitzenauslastung. Warum das so ist? „Unsere Kaserne wird militärisch, aber menschlich geführt, das hat sich herumgesprochen.“ Pro Einrückungstermin – davon gibt es vier im Jahr – können in Mistelbach 80 Grundwehrdiener aufgenommen werden. „Wir sind schon ziemlich voll“, blickt der Major auf die nächsten Termine.

„Wir haben im Klinikum keine Engpässe, da Zivildienstleistende zusätzlich für Aufgaben in ihrem entsprechenden Kompetenzbereich eingesetzt werden“, sagt Denisa Böhm vom Landesklinikum Hollabrunn. Acht Zivildiener pro Jahr sind es, die im Spital eine Stelle finden und im Patiententransportdienst, im Hol- und Bringdienst und im stationären Bereich eingesetzt werden. „Zivildiener sind für den täglichen Ablauf im Klinikum sehr unterstützend“, will das Krankenhaus die jungen Menschen nicht missen.

Eine etwas andere Meinung tut der Waschbacher Eytan Reif kund, der betont, dass es seine private Meinung ist und nichts mit seiner Kandidatur für die damalige Liste Pilz bei den Nationalratswahlen zu tun habe: „Man verpflichtet hier junge Erwachsene zu etwas, das nichts anderes als Zwangsarbeit ist.“

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