Zivildiener-Mangel: „Situation verschärft sich“. Bei der Stellung sind 26 Prozent untauglich. Das bringt bedrohliche Engpässe bei Zivildienern.

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 06. Februar 2019 (03:43)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Lisa-Marie Herbich mit ihren Kollegen vom Zivildienst Peter Keltscha und
Simon Sepasiar.

Tauglich, oder nicht tauglich? Mit dieser Frage entscheidet sich vier Mal im Jahr für alle männlichen
österreichischen Staatsbürger ab dem 18. Lebensjahr, ob sie zum Präsenzdienst müssen – oder nicht. Aber nicht nur für den militärischen Präsenzdienst ist diese Frage entscheidend. Denn auch Zivildienst darf nur der machen, der bei der Stellung für tauglich erklärt wird. Gut ein Viertel der Stellungswilligen ist untauglich. Da kommt es naturgemäß zu Engpässen bei jenen Organisationen, die Zivildiener benötigen. So braucht das Rote Kreuz Niederösterreich für April noch 117 Zivildiener.

„Sind wirklich alle, die bei der Stellung untauglich sind, den Dienst an der Waffe zu leisten, ebenso untauglich, einen Dienst an der Menschlichkeit, im Rettungsdienst, zu leisten?“, hinterfragt AK-Vizepräsident Josef Hager das System. Er fordert den Gesetzgeber und alle verantwortlichen Partner auf, eine Lösung zu finden, um eine gefährliche Dauerproblematik im Zivildienst zu verhindern.

 „Noch sind wir als Bezirksstelle nicht so dramatisch betroffen wie andere Regionen in Niederösterreich.“ Thomas Wordie, RK-Bezirksstellenleiter

 „Die Zahl der Zivildienstleistenden ist während der letzten Jahre in etwa gleichgeblieben“, berichtet Thomas Wordie, RK-Bezirksstellenleiter in Klosterneuburg. Die je sechs Zivildienstplätze zu den beliebten Haupteinrückungsterminen Juli, Oktober und Jänner sind teilweise über ein Jahr im Voraus ausgebucht. Spürbar werde die Entwicklung allerdings auch hier schon beim Einrückungstermin April, der für Maturanten ungünstig sei. Für diesen Termin könne die erforderliche Anzahl an Bewerbern immer öfter nur kurzfristig gefunden werden. Hinzu käme die Gefahr, dass aufgrund des landesweiten Zivildienermangels Klosterneuburger Zivildiener in strukturschwächeren Regionen umverteilt werden müssten. „Immer häufiger sind sich Zivildienstleistende der Aufgabe auch nicht immer bewusst und brechen die Ausbildung ab, da die psychischen und physischen Anforderungen nicht zu unterschätzen sind“, weiß Wordie.

Wordie geht derzeit davon aus, dass sich die Situation verschärfen wird. „Noch sind wir als Bezirksstelle nicht so dramatisch betroffen wie andere Regionen in Niederösterreich. Wir spüren aber auch die geburtenschwachen Jahrgänge, und mittlerweile ist die Auswahl an Möglichkeiten, seinen Zivildienst zu absolvieren, so groß geworden, dass manche Termine nicht mehr besetzbar sind.“ Das Freiwillige Sozialjahr könne hier bei manchen Terminen ein Lösungsansatz sein. „Die Kostenfrage wird das Rote Kreuz und die Gemeinde sicher fordern“, befürchtet Wordie.

Auch in der Pflege werden Zivildiener benötigt. „Von einem Engpass haben wir noch nichts bemerkt“, berichtet der Direktor des Landespflegeheims Klosterneuburg, Michael Strozer, der aktuell drei Zivildiener in seinem Team hat. Man sei zwar auf Zivildiener nicht angewiesen, wenn sie aber wegfielen, ginge auch der Mehrwert für die Mitbewohner verloren. „Vor allem bringen sie die Jugend ins Agnesheim“, so Strozer.

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