Halbe Lösung für Karfreitag?. In der Karfreitags-Debatte haben ÖVP und FPÖ am Dienstag angekündigt, den Feiertag ganz zu streichen. Stattdessen können sich Arbeitnehmer an einem "persönlichen Feiertag" Urlaub nehmen. Einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es dafür aber nicht. Zuvor war eine Halbtags-Lösung angepeilt worden - NÖN.at hatte in der Region nachgefragt:

Von Christoph Hornstein. Erstellt am 27. Februar 2019 (03:17)
NÖN
Die Präsidentin der NÖ Wirtschaftskammer Sonja Zwazl hat ihre Bedenken zur Neuregelung des Karfreitags.

„Hurra, wir haben einen halben Feiertag mehr!“ Eigentlich sollte diese Meldung zumindest bei den Lohnempfängern gut ankommen, aber selbst da hält sich der Jubel in Grenzen. Denn glücklich ist bei dieser neuen Regelung niemand.

Es geht um den Karfreitag. Bislang ausschließlich ein Feiertag für Protestanten, Altkatholiken und Methodisten, steht nach einem Entscheid des Europäischen Gerichtshofes ein Feiertag jedem Arbeitnehmer – oder keinem zu. Eine klassische österreichische Lösung hat sich nun die Regierung ausgedacht: Es soll einen halben Feiertag geben, an dem nach 14 Uhr alle Arbeitnehmer nach Hause gehen dürfen. FP-Verkehrsminister Norbert Hofer schlägt zudem eine Lösung wie am 8. Dezember vor: Handelsangestellte sollen arbeiten, aber extra dafür bezahlt werden, und die Arbeit an diesem Tag auch freiwillig ablehnen dürfen.

Die etwa 180 Arbeitnehmer des Stifts Klosterneuburg haben von dieser Idee rein gar nichts. Denn schon immer ist der Karfreitag für Stifts-Mitarbeiter frei. „Es gibt natürlich Mitarbeiter, die auch an diesem Tag Dienst machen müssen, aber das Gros der Belegschaft bleibt am Karfreitag zu Hause“, so Stifts-Pressesprecher Walter Hanzmann. Das hat natürlich auch einen religiösen Hintergrund. Dafür gibt es für das Unternehmen keinerlei finanzielle Belastung.

„Wir fordern von der Bundesregierung einen Ausgleich für die entstehenden Mehrkosten.“ Sonja Zwazl, Präsidentin der NÖ Wirtschaftskammer

Ähnlich ist die Sachlage bei den rund 800 Mitarbeitern der Stadtgemeinde. Der Karfreitag ist im NÖ Vertragsbedienstetengesetz verankert und für die evangelischen Dienstnehmer ein Feiertag. Für alle anderen Dienstnehmer ist er ohnehin – ebenso wie der 2. November, Allerseelen – als Arbeitstag mit vier Stunden geregelt, also nur bis mittags. „Solange das Vertragsbedienstetengesetz nicht geändert wird, bleibt es bei dieser Regelung. Eine Änderung ist hier nicht geplant, zumindest der Stadtgemeinde noch nicht bekannt“, so die Pressestelle des Rathauses.

Probleme bei Handel, Tourismus und Industrie

Die Neuregelung des Karfreitags bedeutet für die Unternehmen eine zusätzliche Mehrbelastung — österreichweit wird mit zwischen 200 und 300 Millionen Euro gerechnet. „Das ist zwar um die Hälfte weniger als bei einem ganzen Feiertag. Dennoch fordern wir von der Bundesregierung einen Ausgleich für die entstehenden Mehrkosten“, so Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin und Klosterneuburgerin Sonja Zwazl.

Von der neuen Regelung seien vor allem der Handel, der Tourismus und die Industrie betroffen. Deswegen ist es für die WKNÖ-Präsidentin wichtig, dass die Handelsbetriebe zumindest die Geschäfte offenhalten dürfen, um nicht noch weitere Umsatzeinbußen hinnehmen zu müssen. Auch für den Tourismus sei natürlich gerade das Osterwochenende ein Umsatzbringer, der durch die neue Regelung mit höheren Personalkosten nicht geschwächt werden darf. Und auch die Industriebetriebe werden durch höhere Zuschläge bei der Schichtarbeit massiv getroffen.

„Gerade vor dem Hintergrund des steigenden internationalen Wettbewerbs und der Tatsache, dass Österreichs Wirtschaft hier mit der Vielzahl an Feiertagen schon jetzt einen Wettbewerbsnachteil hat, darf es ganz einfach zu keiner weiteren Mehrbelastung für unsere Betriebe kommen“, so Zwazl zur neuen Regelung.

Die großen Handelsketten Rewe und Spar wollten die neue Karfreitagsregelung angesichts fehlender Details noch nicht kommentieren. Fakt sei aber, heißt es von Rewe, dass der Karfreitag einer der stärksten Einkaufstage im Jahr ist. Bei Rewe hoffe man aber auf eine Regelung, die Mehrkosten für das Unternehmen verhindert.

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