Firmen fordern Klarheit bei Karfreitag. In der Karfreitags-Debatte haben ÖVP und FPÖ am Dienstag angekündigt, den Feiertag ganz zu streichen. Stattdessen können sich Arbeitnehmer an einem "persönlichen Feiertag" Urlaub nehmen. Einen zusätzlichen Urlaubstag gibt es dafür aber nicht. Zuvor war eine Halbtags-Lösung angepeilt worden - NÖN.at hatte bei heimischen Unternehmen nachgefragt:

Von Marlene Trenker, Birgit Kindler und Lisa Röhrer. Erstellt am 27. Februar 2019 (03:17)
NOEN, Andi Bruckner
Thomas Salzer hätte sich eine kostenneutrale Lösung gewünscht.

Der Karfreitag soll ein halber Feiertag werden – nach 14 Uhr dürfen alle Arbeitnehmer nach Hause gehen. Auf diese Regelung hat sich die türkis-blaue Regierung festgelegt. Noch nicht klar ist allerdings, ob die Geschäfte offen bleiben dürfen und wie die Mitarbeiter an diesem Tag entlohnt werden. Die Vorfreude auf Ostern ist bei den Betrieben in der Region noch überschaubar.

Der Purkersdorfer Handel sieht hier nur eine Maßnahme, die vor allem Klein- und Mittelbetrieben schadet. Erwin Sedlacek von der Aktiven Wirtschaft Purkersdorf ist mit diese Lösung nicht zufrieden und sieht darin eine Schwächung der Kleinunternehmen. „Diese halbe Lösung schwächt nur weiter die lokalen Unternehmen und fördert den Onlinehandel, der den Gewerbetreibenden ohnehin schon sehr zusetzt“, ärgert sich Sedlacek über die Lösung der Regierung.

„Diese Lösung schwächt die lokalen Unternehmen und fördert den Onlinehandel, der den Gewerbetreibenden sehr zusetzt.“ Erwin Sedlacek

„Das ist ein Kompromiss, mit dem niemand glücklich ist“, meint der St. Pöltner Thomas Salzer, Geschäftsführer von Salzer Papier und Präsident der Industriellenvereinigung NÖ. Er hätte sich eine kostenneutrale Lösung für Unternehmen gewünscht. „Zum Beispiel, dass die Arbeitnehmer selbst entscheiden können, welchen Feiertag sie frei haben möchten, etwa den Pfingstmontag“, erklärt Salzer. Jetzt müsse nach 14 Uhr ein hundertprozentiger Feiertags-Zuschlag bezahlt werden. „Das wäre für uns um 0,6 Prozent aufs Jahr gerechnet mehr als bisher“, rechnet Salzer vor.

Das wünschen sich auch die großen Handelskonzerne, die die Karfreitags-Lösung angesichts fehlender Details noch nicht ausführlich kommentieren wollten. Für den Lebensmittelhandel ist der Karfreitag einer der umsatzstärksten Einkaufstage im Jahr. Das bestätigt auch Spar, dessen Zentrale einer der größten privaten Arbeitgeber in St. Pölten ist. Beim Rewe-Konzern, zu dem Billa, Bipa, Merkur, Adeg und Penny gehören, hofft man auf eine Regelung, die Mehrkosten verhindert.

„Einen verkaufsoffenen Feiertag, das können wir uns nicht leisten“, hatte Marcel Haraszti, Bereichsvorstand für das Rewe-Vollsortiment in Österreich, in diversen Medien bereits verlauten lassen. Er befürchtet zusätzliche Kosten in Millionenhöhe und meint: „Wir wollen dafür entlastet werden, wir wollen eine Kompensation.“ Sollte der Karfreitag ein halber Feiertag werden, „liegt auf der Hand, dass eine finanzielle Belastung auf uns zukommt“, stellt Roman Gallhuber von der Bäckerei Hink klar.

Fest steht für ihn, dass die Geschäfte in Wilhelmsburg und St. Pölten am Karfreitag – falls rechtlich möglich – offen bleiben werden. Das sieht man auch bei der Bäckerei Hager mit zahlreichen Filialen in der Region so. Man wolle jetzt einmal die rechtlichen Gegebenheiten abwarten, so Alexander Hager. „Fix ist, dass wir nur an zwei Tagen im Jahr geschlossen haben, am 1. Jänner und am 25. Dezember.

Wir werden normal produzieren.“ Die Mitarbeiter würden am Karfreitag eben mit einem hundertprozentigen Zuschlag bezahlt werden müssen. „Dass wir mit dieser Lösung glücklich sind, davon sind wir weit entfernt. Im Endeffekt ist es ein fauler Kompromiss“, meint Hager. Nicht ganz so dramatisch sieht man in der Gastronomie die Feiertags-Lösung.

„Am Karfreitag ist vor allem am Nachmittag ohnehin weniger los als sonst. Wir haben zum Beispiel schon im vergangenen Jahr am Karfreitag nur über Mittag geöffnet gehabt und ab 14 Uhr war geschlossen“, meint der St. Pöltner Wirte-Obmann Leo Graf. Auch die international tätige Erber Group mit Sitz in Getzersdorf nimmt die neue Feiertags-Lösung gelassen. „Als international tätiges Unternehmen sind wir mit diversen religiös und politisch bedingten gesetzlichen Rahmenbedingungen weltweit konfrontiert – weit über die österreichische Diskussion hinaus“, so Konzernsprecherin Claudia Hajdinyak.

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