St. Pölten

Erstellt am 12. Februar 2019, 03:55

von Nadja Straubinger und Mario Kern

Wenige Anreize für Ärzte. Bewerber werden weniger. Krankenkasse setzt auf neue Ordinationsformen für die Versorgung.

Teamwork wird im Primärversorgungszentrum in Harland groß geschrieben: Um Christian Edlinger kümmerten sich die Gesundheits- und Krankenpflegerinnen Martina Reinberger, Kerstin Wentner und Elisabeth Bichlergemeinsam mit ArztRafael Pichler.  |  Straubinger

REGION ST. PÖLTEN In vielen Gebieten Niederösterreichs gehen die Ärzte aus. In St. Pölten und der Region ist die Versorgung mit Kassenärzten zwar noch flächendeckend gesichert. Die überlaufenen Kinderarztpraxen zeigen aber, dass es bereits in manchen Bereichen an Fachkräften mangelt.

Wie die NÖN berichtete, suchte die Gebietskrankenkasse bisher vergeblich einen Nachfolger für die seit Jänner pensionierte Jitka Martinek in St. Pölten und die seit zwei Jahren verwaiste Kinderarzt-Praxis in Purkersdorf. Die übrigen 179 Planstellen für Allgemeinmediziner, Zahnärzte und Fachärzte sind aktuell besetzt.

In der Vergangenheit mussten Patienten immer wieder längere Zeit auf Nachbesetzungen warten: Die Zahnarztstelle in Markersdorf-Haindorf konnte ebenso wie die Planstelle für den Altlengbacher Allgemeinmediziner erst nach einem Jahr besetzt werden. In Ober-Grafendorf hatte der 2017 verstorbene Arzt Anton Biedermann nur einen Teil der Kassenverträge zurückgegeben – die „halbe“ Stelle wollte niemand annehmen, weshalb die Gemeinde lange Zeit einen NÖGKK-Arzt weniger hatte.

„Jede nicht besetzte Stelle hat ihre eigene Geschichte“, weiß Bezirksärztevertreter Andreas Barnath. Für junge Ärzte sieht er derzeit generell wenige Anreize, sich zu bewerben – vor allem in den Landgemeinden. So sei etwa der Tarif für die Behandlungen zu niedrig. Außerdem fehle in vielen Fällen die Hausapotheke als zusätzliche Einnahmequelle. „Hätten alle Stellen diese Option und ein ausreichend großes Einzugsgebiet, gäbe es keine einzige leere Stelle“, ist Barnath überzeugt.

Gruppenpraxen als Modell der Zukunft

Wegen der rückläufigen Zahl an Bewerbern und bevorstehenden Pensionierungswellen in den nächsten Jahren setzt die Gebietskrankenkasse neben einer Honorarerhöhung auch auf neue Formen wie Primärversorgungseinheiten (PVE) und Gruppenpraxen – davon gibt es bereits elf in St. Pölten und weitere 16 im Umland. „Die Erfahrungen mit den PVE in St. Pölten und Böheimkirchen sind in den ersten Monaten sehr positiv. Derzeit arbeiten wir daran, auch Kinderärzte anzudocken“, erklärt Krankenkassen-Sprecherin Barbara Mann.

Den Kinderärzte-Engpass in Stadt und Bezirk federt jetzt schon das Team im St. Pöltner Primärversorgungszentrum in Harland ab: Seit der Eröffnung im Jänner übernahmen sie 200 Kinder von den überlaufenen Kinderärzten für Impfungen und Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen.

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